Unsere Serie geht weiter: Das erste Haus am berühmtesten Strand der Welt war Schauplatz witziger, verrückter und trauriger Begebenheiten. Die machen den Mythos aus.
Für Jorge Guinle gab es nur einen einzigen Platz, wo er die letzten Stunden seines Lebens verbringen wollte: in „seinem“ Hotel. Dort, wo Rios berühmtester Playboy Marilyn Monroe und Lana Turner angeblich verführt hat. Wo ihm außerdem Rita Hayworth, Ava Gardner, Anita Ekberg verfallen sein sollen. Nur eine Angebetete konnte er trotz Charmeoffensive nicht ins „Copacabana Palace“ locken. Die telefonische Absage der Dame lautete angeblich schlicht: „Nächste Woche kann ich nicht, ich werde zur Königin von Dänemark gekrönt.“ Als Freund klarer Worte hat der schwerreiche Bauunternehmerspross nie einen Hehl aus seinen illustren Eroberungen gemacht. Ebenso wenig hat er übrigens den royalen Korb verschwiegen.
Am Ende seiner Zeit handelte der 88-Jährige ebenso kompromisslos. Er entschied sich gegen die lebensrettende Operation, verließ das Krankenhaus und bezog eine Suite im „Copa“, wie das Hotel von den Bewohnern Rios liebevoll genannt wird und das einst seiner Familie gehörte. Guinle, der im Laufe seines Lebens sowohl sein Vermögen als auch die Anteile am Hotel verprasst hatte, ließ sich Champagner, Hühnchen Stroganoff und Himbeersorbet aufs Zimmer kommen. Und schlief dann an seinem Lieblingsort für immer friedlich ein.
Sein Onkel Octávio war es, der das Haus Anfang der 1920er Jahre errichtet hatte. Der Sohn einer der wohlhabendsten Familien Brasiliens französischer Abstammung erhielt den Auftrag, weil der damalige brasilianische Präsident Epitácio Pessoa eine adäquate Unterkunft für seine Staatsgäste benötigte. Vorbild für das Hotel war unter anderen das „Negresco“ in Nizza mit seinem mediterranen Bäderstil (siehe „abenteuer und reisen“ 6/2010).
Als das „Copa“ im Jahr 1923 eröffnete, war der Stadtteil rund um den Strandabschnitt fast menschenleer und hatte keinen besonders guten Ruf. Das änderte sich rasch. Die Elite der Stadt verließ fluchtartig den engen Norden und zog an die einst verpönte Copacabana. Schon bald kamen die ersten illustren Gäste ins Hotel, internationaler Jetset folgte. Zehn Jahre nach der Eröffnung entdeckte sogar Hollywood das Haus als Filmkulisse: Der Großteil des 1933 gedrehten Streifens „Flying Down to Rio“ mit Fred Astaire und Ginger Rogers, die hier zum ersten Mal miteinander getanzt haben sollen, spielt im „Copacabana Palace“.
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