
Autor:
Frank Tophoven
InsiderTipps
Sie wollen untertauchen - obwohl Sie nichts mit Geldwäsche und Briefkastenfirmen am Hut haben? Sondern einfach mal so, im warmen Wasser... Auf den Cayman Islands fühlen sich nicht nur internationale Finanzjongleure wohl. Glauben Sie nicht? Dann lesen Sie unseren Bericht aus der Karibik.
Ach, wieder einer dieser karibisch leichten Tage. Seven Mile Beach, Grand Cayman. Palmen, Sand, das Meer. Und völlig entspannte Urlauber, die sich auf ihren Liegestühlen räkeln. Die junge Hübsche im Sand hat ein Problem, behauptet zumindest ihr T-Shirt: "Mein Darling will mich verlassen, wenn ich noch einmal tauchen gehe. Ich werde ihn vermissen." Wäre die Schöne wirklich mit einem Kerl angereist, hätte dieser nach zwei Tagen Nichtstun am Strand bestimmt selbst mit dem Tauchen begonnen. Immerhin ist das hier eines der besten Reviere der Welt.
Den Boottrip nach Sting Ray City darf man als gefährliche Einstiegsdroge bezeichnen. Paul, ein junger Schwarzer, ist Captain auf der Yacht und Chris, ein alter Weißer, sein Matrose. Gemächlich schiebt sich das Motorboot durch den Kanal hinaus zur Lagune. Etwa 20 Gäste liegen in der Sonne. Fast alle sind Amerikaner - schließlich ist man in nur einer Stunde von Florida nach Grand Cayman geflogen und die Landessprache ist Englisch. Villen und Hotels säumen das Ufer zu beiden Seiten des Kanals. Bill Gates soll hier ein Haus besitzen, aber natürlich weiß niemand, welches. Als der Kanal hinter uns liegt, gibt Paul Gas. Die Yacht pflügt durch die Lagune.
Dann drosselt Paul den Motor, Chris wirft den Anker. Die Gäste werden mit Schnorchelausrüstungen versehen und plumpsen einer nach dem anderen ins Wasser. Glasklar ist die See. Die Yacht dümpelt neben einem flachen Riff. Unter Wasser entfaltet sich eine Zauberwelt: ein flacher Korallenstock, golden in der Sonne leuchtendes Wasser und Fische wie von einem Pop-Art-Künstler kreiert, schwarzweiß gestreift, leuchtend rot, tiefblau oder neon.
Auf zur nächsten Attraktion, an einer flachen Sandbank wartet Sting Ray City. "Früher", erklärt Paul, "haben die Fischer an dieser Stelle geankert, wenn sie vom Fang zurückkamen. An Land war es heiß, deshalb haben sie hier ihren Fang ausgenommen." Die Sting Rays kamen regelmäßig und haben die Abfälle gefressen. Heute sind die Rochen völlig zahm, sie schwimmen zu den Ausflugsbooten und werden gefüttert. "Aber bitte nicht auf den Schwanz treten", warnt Chris, "denn dort sitzt der Stachel. Die Stiche sind sehr schmerzhaft."
Wir stehen im brusttiefen Wasser und die Rochen kommen an wie toll. Verrückt, einen Sting Ray direkt vor der Nase zu haben! Ich will ihn fotografieren, aber er ist groß und stark und stößt mich vor die Brust. Ich mache einen Schritt zurück, das Wasser-Ufo mit Schwanz stößt noch einmal, ich verliere den Halt und der Rochen schiebt mich vor sich her, während ich rückwärts torkle - so lange, bis er endlich ablässt, um den Nächsten um eine milde Gabe anzubetteln.
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