
Autor:
Frank Tophoven
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InsiderTipps
Unser Autor ist 4.900 Kilometer Piste und Überlandstraßen von Puerto Montt bis Punta Arenas an der Südspitze Amerikas gefahren. Dabei hat er grandios dramatische Landschaften von rauer, majestätischer Schönheit, tolle Menschen und nette Unterkünfte entdeckt. Lesen Sie seinen faszinierenden Reisebericht.
Dieses Blau! Es ist wie brennende, unerfüllte Sehnsucht. Verführerisch schön und schneidend kalt. In genau diesem Blau blitzen Himmel und See, während der schneebedeckte Vulkan Osorno einzelne weiße Wolken durchstößt.
Brodelnde Wassermassen graben metertiefe Furchen in die Felsen von Petrohué, und schindelgedeckte Häuser wahren im kleinen Örtchen Puerto Varas am Lago Llanquihue die Traditionen deutscher Einwanderer. Ein Kiosk verkauft leckeren selbst gebackenen „Küchen“, der auch auf Chilenisch so heißt, weil der Kuchen ja nach deutschem Rezept gebacken und eine populäre Spezialität der Region ist.
Stunden zuvor, im 30 Kilometer entfernten Puerto Montt: Hector wartet in der Ankunftshalle des Flughafens auf mich. Hector ist mein Fahrer und wenige Tage später mein Freund. Auf dem Parkplatz steht unser Auto, mit dem wir die Carretera Austral bereisen wollen, die „weite Straße“. Doch diese ist meist alles andere als eine komfortable Straße: mal Feldweg, mal Schottertrasse, mal Buckelpiste oder Schlammbad. So strebt sie dem Südende des amerikanischen Festlands, der 1.700 Kilometer entfernten Magallanstraße, entgegen.
Unser Wagen wirkt groß, komfortabel, hat genügend Bodenfreiheit und Allradantrieb. Blick aufs Typenschild: Der ist „made in China“. Ein Hover des Herstellers Great Wall. Das beruhigt spontan nicht unbedingt.
Fahrer Hector ist sehr jung und stammt aus Puerto Natales, tief im Süden Chiles. Das beruhigt mich dann wieder etwas: Die Menschen dort gelten als ruhig, besonnen und zuverlässig. Hector darf man vertrauen, mit ihm kann man sich mit einem chinesischen Auto in menschenleere Einsamkeiten fern von gelben ADAC-Rettern und flächendeckendem Handynetz wagen.
Carolina Morgado Escanilla lerne ich in einer einst von deutschen Aussiedlern erbauten Villa kennen. Sie schwärmt vom weiten Süden Chiles und von Patagonien, das südlich der Provinzhauptstadt Coyhaique beginnt. Und Carolina schimpft. Zum Beispiel über die Lachsfarmen. Mit dem Einsatz von in Europa undenkbaren Mengen an Antibiotika und Pestiziden trimmen die Unternehmen ihre Lachskulturen auf maximale Ertragseffizienz, so lange, bis Epidemien und verseuchte Gewässer den Reibach beenden. „Wie früher die Goldgräber beuten sie das Land aus, verwüsten es und ziehen weiter!“
Carolina sieht viele Gefahren für die weite Natur Patagoniens. Der Stromkonzern Endesa wolle die wilden Flüsse stauen, damit das gesamte Ökosystem verändern und über gewaltige Türme und Überlandleitungen den Strom Tausende Kilometer weit in den Norden liefern. Auch das Projekt einer ganz durchgehenden Carretera Austral ist umstritten, weil es viel Natur zerstört und der Ausbeutung von Holz und Bodenschätzen Vorschub leistet.
Carolina engagiert sich nicht nur für die Umwelt, sie koordiniert auch die Öffentlichkeitsarbeit für Douglas Tompkins. Der amerikanische Multimillionär, selfmade in jeder Beziehung, zieht Gerüchte an wie Hundekot die Fliegen. Er war erfolgreicher Skifahrer und Kletterer, dann Unternehmer – und Ökoaktivist. Ego und Ehrgeiz muss der Gründer der Outdoormarke The North Face haben, der auch das Modelabel Esprit zum Erfolg geführt, so eine Menge Geld verdient und schließlich alles verkauft hat, weil ihn der die Welt zerstörende Konsum anwiderte.
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