
Autor:
Stefan Krücken
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Vor 70 Jahren segelte Hans Peter Jürgens als Schiffsjunge auf dem letzten rahgetakelten Frachtschiff um Kap Hoorn. Nun kreuzt der Kapitän wieder vor dem Kap der Stürme, diesmal an Bord des Fernseh-„Traumschiffs“ und in Begleitung des Schauspielers Axel Prahl. Für Jürgens, einen der letzten lebenden Kap Hoorniers, ist das Abenteuer vor dem „Sturmkap“ auch eine Reise in die eigene Vergangenheit.
Kap Hoorn kommt in Sicht, und es scheint, als habe jemand an höherer Stelle einen Sinn für Melodramatik. Wie bestellt, schieben sich die Wolken auseinander, ein Lichtkegel zeigt genau auf das wildeste Ende der Welt, und auf dem Brückendeck der „MS Deutschland“, dem „Traumschiff“ aus dem ZDF-Abendprogramm, zücken nun viele Passagiere ihre Kameras, als ließe sich die Magie des Moments auf einer Speicherkarte bannen.
Der alte Kapitän ist in kleinen Schritten zur Seite getrippelt, steht etwas abseits und betrachtet das Schauspiel mit einem Lächeln. Was geht in ihm vor? Man braucht die Frage nicht stellen, denn er würde sie nicht beantworten, seine feuchten Augen vielleicht mit dem Wind erklären, der mit sieben Stärken weht, was vor Kap Hoorn ruhiges Wetter meint.
Hans Peter Jürgens, 86, ein Seemann mit buschigen Brauen, gischtweißem Haar und einem Gesicht ohne Falten, ist dahin zurückgekehrt, wo seine Geschichte begann. 1939 war er Schiffsjunge an Bord der „Priwall“, auf dem letzten Segelschiff, das die berüchtigte Passage um Kap Hoorn mit Ladung überstand. 70 Jahre danach erschien seine Biographie „Sturmkap“, ein Bestseller und „mitreißender Bericht“ („Stern“), der „viele Menschen in Deutschland bewegte“ (NDR).
Als der Schauspieler Axel Prahl, 50, das Hörbuch vorstellte, lud die Reederei Deilmann beide zur Reise um die Spitze Südamerikas ein. Der alte Kapitän, der früher Lokomotiven nach Indien brachte oder Holz aus Finnland holte, wäre nie auf die Idee gekommen, zum Vergnügen auf See zu gehen. Nicht immer, das ist zu spüren, fühlt er sich wohl zwischen Teestunde im Salon, Champagnersauerkraut und den Smokingträgern beim Galaempfang. Wenn Jürgens Vergleiche anstellen soll, wie es damals war an Bord der Viermastbark war (die Kali und Stückgut geladen hatte) und wie es heute auf dem Fünfsternedampfer ist, einer Art schwimmender Clubsessel, dann sagt er: „Kaum zu beschreiben, ein Unterschied zwischen Himmel und Hölle.“
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