Chiles Hauptstadt steht gemeinhin im Schatten anderer südamerikanischer Metropolen: Buenos Aires gilt als musikalischer, Rio als erotischer und Mexiko-Stadt als größenwahnsinniger. Doch unser Reisebericht zeigt: Santiago hat von allem etwas – und noch dazu seine ganz persönliche Note.
„Ubi Caritas“, fromme Wohlfühlwatte wallt aus den Lautsprechern, auch die Klarinette kann vor Rührung bald nicht mehr. „Ubi Caritas“, wo die Liebe … hinfällt halt, denn schön klingt das ja nun nicht – und der Ort ist es erst einmal auch nicht.
Antennenbäume, angerostete Funk- und Fahnenmasten, Scheinwerfer auf Stelzen zerstückeln das Panorama. Das besteht aus grauen, gleichförmigen Hochhäusern, rötliche oder bräunliche Nuancen proben den vergeblichen Aufstand gegen die Norm. Beton und Asphalt wälzen sich kilometerweit in alle Himmelsrichtungen. Vollgestopft mit Verkehrsmitteln aller Art. Irgendwo müssen 5,4 Millionen ja wohnen, 40 Prozent der Landesbevölkerung. Knapp über dem Hochhausdach: Dauersmog. Wenige Städte der Welt haben dreckigere Luft als Santiago.
Über allem wacht mit weit ausgebreiteten Armen eine 20-Meter-Statue der Jungfrau Maria, frisch gekälkt. Unbefleckt also. Der Opferstock ist wie ein Banktresor einzementiert. Zwei Polizisten falten gerade vier Burschen zusammen, kontrollieren Taschen und Rucksäcke. Eine Freundin knipst feixend die Szene per Handy, Maria muss mit aufs Bild, und als die Carabineros abgezogen sind, machen die Jungs wieder auf dicke Hose. Liebespaare knutschen auf den warmen Stufen.
Als die Sonne nach einer halben Stunde weitergewandert ist („Falsche Richtung! Falsche Richtung!“, möchte man rufen, aber wir sind ja auf der Südhalbkugel) und Mariens ausgebreitete Arme Schatten über die Pärchen werfen, wandern auch deren Hände ein bisschen weiter. Es ist ja Sommer, da haben die jungen Leute nicht so furchtbar viel an. Familien tragen ihre Babys herum, dann und wann werden ein paar Opferkerzen angezündet, die die warme Brise schnell wieder auspustet.
Ach ja, das dahinten übrigens, mit dem Schnee drauf, das sind die Anden, fangen gleich hinter der Stadt an. Und alles zusammen genommen ist es dann doch ein sehr schöner Ort, der Cerro de San Cristóbal, Aussichtshügel mitten in Chiles Hauptstadt Santiago. 300 Meter geht es steil aufwärts mit dem alten Kabelbähnchen Funicular, das seit 1925 treu ächzt und eiert. Beim Zwischenstopp am Zoologischen Garten lauscht man exotischen Vogelstimmen im Vordergrund und Kinderlachen vom Spielplatz, im Hintergrund breitet sich das ewige Rauschen der großen Stadt aus.
ReiseBuchung
Reisewetter aktuell
Das aktuelle Reisewetterfür Ihr Reiseziel
Reisebücher
-

Die Zukunft der Jurte
mehr Infos -

Das Kochbuch des Kannibalen
mehr Infos -

Tee
mehr Infos -

Das koloniale Indien
mehr Infos -

Die besten Single-Reisen
mehr Infos -

Das Vermächtnis des Dalai Lama
mehr Infos


Stadtporträt
Kommentar hinzufügen