
Autor:
Stefan Nink
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InsiderTipps
Es ist eine völlig andere Welt, die vor der Skyline Hongkongs auf Dutzenden von Inseln wartet. Unser Reisebericht führt Sie durch ein kleines, dörfliches China. Viel undressierte Natur und verträumte Buchten. Gut genug für ein, zwei Tage.
Es ist noch nicht richtig hell, aber das Geräusch ist schon da. Hört sich an, als ob irgendjemand drei Schrottautos an einer Eisenkette über einen Parkplatz voller zerbrochener Glasflaschen schleifen würde ... denn 32 Stockwerke weiter unten schütten sie den Hafen auf. Das machen sie schon seit längerem. Victoria Harbour, Hongkongs Markenzeichen, ist mittlerweile um einiges schmaler als noch vor - sagen wir - zehn Jahren. Und mittlerweile regt sich deswegen sogar Protest. Bürgergruppen demonstrieren, Anwälte prozessieren und jeden dritten Tag meldet sich ein besorgter Feng-Shui-Experte zu Wort. Neinneinnein! Dieses Zuschütten des Hafenbeckens sei überhaupt nicht gut, schließlich sei es die Lage, die den Reichtum der Stadt überhaupt erst begründet habe: hinten hoher Berg, vorn tiefes Wasser - mithin ein perfektes Chi. Der Trend zu mehr Grün und der Erhaltung natürlicher Landschaften ist neu. Bislang gehörte die Stadt immer zu jener Hand voll Metropolen, an denen ein unübersehbares Etikett mit der Aufschrift "Zukunft!" klebte.
Dabei ist Hongkong längst grün. 70 Prozent seiner Gesamtfläche sind Wald und Wiese. Und 40 von diesen 70 Prozent stehen als Country Parks unter Naturschutz. Glaubt man nicht, oder? Natürlich sieht man nichts von ihnen, wenn man seine Tage in den Malls von Central und Admiralty verbringt. Wenn man aber einen Bus oder eine Fähre nimmt und hinausfährt an die Ränder der Special Administrative Region (SAR), dann findet man dort ein ganz anderes Hongkong. In Mai Po beispielsweise, ganz im Norden der New Territories, wo Ornithologen ein Vogelparadies in den Marschen geschaffen haben und jeder Baum unter der Last von Hunderten Kormoranen ächzt. Auf Lantau, wo der Große Buddha auf der Spitze einer durch und durch grünen Insel hockt. Oder auf der Sai Kung Peninsula, einem Wunderland aus Wäldern, Buchten und Stränden.
Abends sitzt man dort bei fangfrischem Seafood, nippt am Weißwein und schaut hinaus auf die Inseln und Inselchen. Und fragt sich, warum um alles in der Welt sieben Hongkong-Reisen vergehen mussten, bevor dieses Sai Kung zum ersten Mal auf dem Programm stand.
Wer das andere Hongkong entdecken möchte, beginnt am besten mit Lantau. Das war lange Zeit nur über den Wasserweg zu erreichen und davor noch längere Zeit überhaupt nicht: Lantau war die Leprakolonie der Kronkolonie. Dann aber haben sie dort draußen Mitte der 1990er Jahre den neuen Flughafen gebaut und plötzlich war die Insel per Brückenschlag mit dem Festland verbunden. Wer mit dem Auto auf die Insel fährt, muss in Tong Chung parken und anschließend mit Bus oder Taxi weiter. Deswegen kann man auf Lantau weiterhin gefahrlos auf der Straße spazieren gehen. Oder Fahrrad fahren.
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