
Autor:
Protokoll: Dieter Jacobs
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Das kulinarische Kontrastprogramm, mit dem Hongkong seine Besucher in den Bann schlägt: Garküche und Gourmet-Tempel. Ein Reisebericht von Fernseh- und Sternekoch Johann Lafer: Sterneküchen und Fressstände, Straßen und Märkte.
Es brutzelt und brodelt, es zischt und dampft in der winzigen Garküche von Chan Chun Fai. Er betreibt das „Gi Kee Seafood Restaurant“ im dritten Stock der Markthalle von Happy Valley.
Mich erinnert es an eine Imbissbude zu Hause – Klapptische mit Plastikfolie, Plastikstäbchen, Plastikteller und Plastikschälchen. Und statt kunstvoll gefalteter Servietten nimmt man sich Klopapier von der Rolle.
Zehntausende solcher Garküchen gibt’s in Hongkong – sie sind das kulinarische Herz dieser Stadt. Auf Kantonesisch heißen sie Dai Pari Dong – übersetzt bedeutet das so etwas wie „Große Lizenz zum Kochen“. Und groß kochen, das kann Chan Chun Fai. Ein Geheimtipp für Besucher, ist er für die Gourmets in Hongkong als „Prince of Abalone“ eine feste Größe. Dabei sind die Meerohren bei ihm nicht billig – in Größe XL mit einem Durchmesser von etwa 30 Zentimetern können sie leicht 100 Euro und mehr kosten.
Ich entscheide mich auf Anraten meiner chinesischen Freunde für gebratenes Hühnchen unter einem Berg von geröstetem chinesischen Knoblauch und Garnelen in einer Chili-Kruste. Mit acht Euro pro Gericht sehr preiswert, aber einfach köstlich – genau wie das eiskalte Tsing-Tao-Bier aus dem Plastikbecher.
Seit mehr als 20 Jahren kenne ich Hongkong, habe es immer wieder besucht und bin jedes Mal von Neuem gefesselt. Von der Dynamik dieser Stadt, von ihrem Tempo, von der multi-kulturellen Atmosphäre, der Mischung aus Ost und West, von ihren Kontrasten und ihrer Innovationsfähigkeit – auch in kulinarischer Hinsicht.
Hongkong ist nicht schön, jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne wie Paris oder Wien. Hongkong ist laut, voller Menschen, die ständig zu rennen scheinen, Baustellen an allen Ecken und Enden und Autos, die im Stau stehen. Aber Hongkong ist so faszinierend wie wohl kaum eine andere Metropole dieser Welt.
Zu Chan Chun Fai in Happy Valley habe ich die doppelstöckige Straßenbahn genommen. Ratternd und rumpelnd schiebt sich die „Ding Ding“ wie seit 105 Jahren vom Bankenviertel in Central nach Wanchai und Causeway Bay entlang der Nordküste von Hongkong Island.
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