
Autor:
Franz Lerchenmüller
Reisebericht aus Chinas Provinzen Amdo und Kham. Sie sind Teil des tibetischen Kulturkreises. Und noch untouristisch. Wie zarter Schimmel sitzt der Raureif auf den schwarzen Zottelpelzen der Yaks.
Ein paar Reißverschlüsse zirpen, die Harten schaufeln sich am Fluss eiskaltes Wasser ins Gesicht, alle anderen drücken in Sachen Hygiene beide schlaftrunkenen Augen zu. Vom See klingen die Glöckchen der Pferde und die fröhlichen Neckereien der Treiber herauf. Schon stolpern die ersten fleeceumhüllten Gestalten Richtung Küchenzelt, wärmen sich die Hände an einer Blechtasse mit Tee und schmieren Marmelade auf eine Scheibe Toast. Frühe Sonnenstrahlen rieseln über die Gipfel ins Tal. Der Tag beginnt hoch in den Bergen von Osttibet.
Osttibet, das ist die erste Lektion für Reisende, gehört nicht zur Autonomen Region Tibet mit der Hauptstadt Lhasa, die im Westen gemeinhin mit "Tibet" gleichgesetzt wird. Sehr wohl aber ist es Teil des tibetischen Kulturkreises. Seit Jahrhunderten leben im Südwesten Chinas Tibeter und Chinesen problemlos zusammen. Als China sich 1950 Tibet einverleibte, gab es dort weniger Widerstand - und damit weniger brutale Unterdrückung. Heute präsentiert sich das religiöse Leben in Osttibet weitaus lebendiger als rund um Lhasa: Die Klöster haben Zulauf, Zeremonien werden abgehalten - und selbst Bilder des Dalai-Lama sind in den Heiligtümern erlaubt.
Mittlerweile haben Sadru, Udja und die anderen Yaktreiber die Zelte zusammengepackt und die Tiere beladen. Während der ersten Tage waren die schweren Fleisch- und Fellkolosse mehrmals ausgebrochen und mit Tonnen, Taschen und Paketen auf dem Rücken in den Fluss gebrettert. "Am Anfang toben sie sich immer aus", sagte Budo, der junge Chef, den sie alle lieben. Zwei Dutzend zerschlagene Eier und fünf Flaschen Wein in Scherben waren der Preis. Inzwischen sind die "tibetischen Grunzochsen" an ihre Last gewöhnt.
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Marianne (nicht überprüft) sagte vor 38 Wochen 5 Tage:
In einer Woche sind wir auf der selben Reise. Tönt sehr "anmächelig". Danke für den Bericht
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