
Thomas Schmidt
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Mit über einer Milliarde Menschen sind die Han das größte Volk der Erde. Und sie haben als numerische Mehrheit China geprägt wie keine Ethnie sonst im Reich der Mitte.
Die reichen Frauen der Han lebten fürwahr nicht auf großem Fuß. Denn die Han-Herren huldigten einem in unseren Augen kranken Schönheitsideal, den Lotos- oder Lilienfüßen. Sie fühlten sich erst als Ha(h)n im Korb, wenn die Füße ihrer Gemahlinnen und Konkubinen so verkrüppelt waren, dass sie auf einer Goldlotos-Münze hätten stehen können. Besagtes Geldstück war acht Zentimeter lang und oval. Harmonisch gewölbt wie eine Mondsichel sollten sie sein, die Füße, schreibt der chinesische Ästhet Fang Xun.
Mehr als tippeln konnten die derart Verstümmelten nicht, was aus Sicht der Männer zwei Vorteile bot: Die kleinen mechanisch wirkenden Schrittchen signalisierten den gesellschaftlichen Stellenwert der Frau – demütig, abhängig und dienend – und außerdem konnte sie ihm nicht davonlaufen. Dagegen waren die Landfrauen ungebunden. Was ihre Füße anbelangte zumindest. Aber sie mussten ja auf den Feldern buckeln …
Hätte das Volk der Han keine größeren Meriten erworben, als die hinteren Gliedmaßen ihrer Frauen grauenvoll zu verbiegen, würden sie wohl nicht als Staatsvolk in den chinesischen Geschichtsbüchern geführt. Klar kommt die schiere Größe befördernd hinzu, denn mit rund einer Milliarde Menschen sind die Han nicht nur das größte Volk der Erde, vielmehr stellen sie heute mit geschätzten 94 Prozent auch einen großen Teil der chinesischen Bevölkerung.
Unabhängig davon gehen revolutionäre technische Errungenschaften wie das kunstvolle Weben von feiner Seide (seit dem 2. Jahrtausend vor Christus), bestimmte Formen des Metallgießens oder die Herstellung von Lacken auf die geistige und handwerkliche Kreativität der Han zurück. Später hatten sie ihre Finger auch überall im Handel mit Porzellan drin und verdienten sich eine goldene Nase.
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