
Thomas Schmidt
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Über diese Wasserstraßen treidelten und stocherten Lastschiffkapitäne und deren Mannschaften einzelne Kähne oder ganze Konvois von mehreren Kilometern Länge mit Reis oder Seide aus dem fruchtbaren Süden um Hangzhou beladen ins Zentrum der Söhne des Himmels am Gelben Fluss. Auch das tonnenschwere Bauholz für die Verbotene Stadt gelangte so dorthin.
Damit war die Funktion dieser weltweit unvergleichlichen logistischen Verzahnung nicht erschöpft. Sie regulierte außerdem den Pegelstand der regelmäßig auftretenden Hochwasser- und Trockenperioden durch ausgeklügelte Dämme und Schleusen. Stiegen die Wasserspiegel an, wurde das Wasser in Seitenkanäle geleitet. Bei Niedrigwasser wurden die Speicherbecken geöffnet.
Hinter dem Gelben Fluss in seinem Zorn steckten unvorstellbare Gewalten. Damals sicher noch unbegreiflicher als heute: Bei Hochwasser drückte der Fluss 20.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde talwärts. Damit hätte er die Strömung der künstlichen Kanäle leicht umkehren können. Hinzu kam jährlich das Problem der Versandung, denn immerhin schwemmte der Fluss 1.000.000.000 Tonnen Treibsand talwärts. In starken Biegungen drohten Ablagerungen die außen liegenden Ufer zu versanden. Lösung der gelben Ingenieure: gezähnte Strömungsbrecher an den Innenseiten, die die Strömung so veränderten, dass sie die Sandbänke wieder mitriss.
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