
Autor:
Bernhard Bartsch
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Die ultimative Handelsmetropole ist Chinas Tor zur Welt. Ihre Energie schöpft sie aus den Gegensätzen der Kulturen. Spannender als New York. Geschäftiger als Hongkong. Und technikverliebter als Tokio. Das beweist unser Reisebericht aus Chinas Boomtown Nummer 1.
Die Zeitreise dauert acht Minuten und beginnt weit draußen, dort, wo man noch erahnen kann, wie es im alten China einmal ausgesehen haben muss: kleine Dörfer, ein grünes Patchwork aus Feldern; Bauern mit spitzen Hüten, die an Stangen Wassereimer schleppen. Eine Minute lang. Dann wächst den Hütten ein zweites und drittes Geschoss; kein Ziegelgrau mehr, sondern weiße oder pastellfarbene Kacheln. Aus Wohnhäusern werden Villen, aus Villen Wohnblocks. Die Straßen bekommen mehrere Spuren und verweben sich in Über- und Unterführungen. Zwei Minuten noch, vorbei an Autos, die Heck an Kühler durch den Stoßverkehr kriechen, an blinkenden Reklameschildern und wuchtigen Fabrikhallen. Und dann stellt sich am Horizont die Zukunft auf: die Wolkenkratzer von Shanghai. Wie eine Reihe Ausrufezeichen. China, wie es war, wie es ist und wie es werden will.
Der achtminütige Zeitraffer ist High Tech aus Deutschland: Auf den 30 Kilometern von Shanghais internationalem Flughafen ins Geschäftsviertel Pudong fährt seit drei Jahren der erste Transrapid der Welt. Für die Shanghaier ist er längst zum Sinnbild ihrer Stadt geworden: topmodern, rasend schnell und weltweit einmalig. Eine Metropole, die Superlative in Serie produziert und Entwicklungen im Expresstempo durchmacht, die man gesehen haben muss, um zu glauben, dass es sie gibt.
Aufbruch, Umbruch, Durchbruch - so ist Shanghai seit seiner Gründung. Vor über 150 Jahren verschafften sich die europäischen Kolonialmächte von dem kleinen Fischerstädtchen aus Zutritt zum Reich der Mitte. Der bisher unbedeutende Ort am Huangpu-Fluss wurde über Nacht zur Schnittstelle zweier Welten, bei deren Aufprall reichlich Reibungshitze entstand und Funken stoben, die aber dennoch schnell miteinander verwuchsen. Erst traf östliche Tradition auf westliche Moderne, später Kommunismus auf Kapitalismus und heute Nationalismus auf Weltbürgertum.
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