
Autor:
Bernd Kregel
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Auf der Kreuzfahrt-Landkarte ist die Pazifikküste Mittelamerikas ein jungfräulicher Fleck. Zeit für eine Erkundungstour – und zwar vom Wasser aus an Bord der luxuriösen „Star Flyer“. Angetrieben von einer Portion Entdeckerlust und dem Wind in den weißen Segeln.
Endlich ist es so weit. Der Anker ist gelichtet und nervös flatternd erheben sich großflächig die dreieckigen Segeltücher aus ihrer Ruhestellung. Sie schweben an den schlanken Schiffsmasten empor wie von unsichtbaren Kräften gezogen. Dort stellen sie, oben angekommen, strotzend vor Straffheit ihre prallen Bäuche zur Schau. So machen sie auf ihre Weise den auffrischenden Wind sichtbar, der den schnittigen Clipper nun zwei Wochen lang vor sich hertreiben soll.
Alle Gesichter sind nach oben gerichtet in die prächtige Takelage. Aus ihnen spricht in diesem feierlichen Augenblick die Vorahnung, dass man Wind und Wellen auf keiner Schiffskreuzfahrt näher kommt als an Bord eines der großen traditionellen Windjammer. In den Zauber des Aufbruchs jedoch mischt sich sogleich ein Hauch von Ungewissheit. Denn im Gegensatz zur vertrauten karibischen Seite ist die Pazifikküste Mittelamerikas noch immer ein weißer Fleck auf der Kreuzfahrt-Landkarte.
Und nun ist es die „Star Flyer“, ein Großsegler aus der Familie der „Star Clipper“, die sich dieser Herausforderung stellt. Es ist eine Expedition, der trotz aller zu erwartenden Kreuzfahrt-Annehmlichkeiten auch etwas Pionierartiges anhaftet. Natürlich nicht in der Größenordnung der Entdeckungsreisen von Drake, Magellan und Cook. Dafür sorgt allein die moderne Navigationstechnik an Bord. Aber immerhin hat jede Kreuzfahrt unter weißen Segeln und in wenig befahrene Gewässer ihre eigenen Tücken.
Kaum hat die „Star Flyer“ die schützenden Anlagen von Puerto Caldera, dem pazifischen Haupthafen Costa Ricas, hinter sich gelassen, nimmt sie Fahrt auf in südlicher Richtung. Doch Panama als erstes Reiseziel ist noch mehr als eine Tagesreise entfernt. So bietet der freie Tag auf See eine gute Gelegenheit, sich mit den Gegebenheiten an Bord vertraut zu machen. Nach Herzenslust herumzustöbern durch den Schiffsrumpf, durch Bibliothek und Speisesaal, durch Salon und Piano-Bar.
Doch alle Wege führen stets zurück aufs Oberdeck mit seiner faszinierenden Segelkulisse. Hauptakteur auf dieser Bühne ist Kapitän Mariusz Szalek, der zwischendurch geduldig die Fragen beantwortet, die sich auf seine Viermast-Barkentine beziehen: auf die Konstruktion mit den fünf am Fockmast quergestellten Rahsegeln. Und natürlich auch auf den Besitzer des Schiffs, den schwedischen Reeder Mikael Krafft, der sich vor einigen Jahren mit seiner ansehnlichen Clipper-Familie, der „Royal Clipper“, der „Star Clipper“ und ebenjener „Star Flyer“, einen lang gehegten Traum erfüllte.
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