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Reisebericht Spreewald
Das Gurkenhotel
Schlafen zwischen Mythen und charmanten Spinnereien: Das kann man in der "Pension Spreewelten" in Lübbenau im brandenburgischen Naturschutzgebiet Spreewald.
"Ess ick Essigjurke oder ess ick Essigjurke nich?" Vor dieser kniffligen Frage stand angeblich eine Gräfin im Spreewald, bevor sie anno 1769 eigenhändig die ersten, Würzessig enthaltenden Früchte der Gurkenkiefer in den umliegenden Hochtälern erntete. Natürlich ist das totaler Blödsinn, allein schon deshalb, weil der Spreewald topfeben und von Wasserläufen durchzogen ist. Steht aber so an den knallgrünen Wänden der überaus stylischen und gleichzeitig komfortablen Gurkenlounge. Und die wiederum befindet sich im 1. Stock der zauberhaften "Pension Spreewelten" in Lübbenau.
Seit 2005 wurde der Bahnhof des kleinen Städtchens, das 85 km südwestlich von Berlin am Rand des Spreewalds liegt, nicht mehr genutzt. Selbst Fahrkarten gab es nur noch am Automaten. Axel Kopsch hatte etwas dagegen. "So ein schönes, altes Klinkergebäude wollte ich damals nicht leer stehen lassen", erzählt der dunkelhaarige Enddreißiger, Vize-Geschäftsführer der Lübbenauer Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald.
Er trommelte 12 Künstler aus Deutschland und Holland zusammen. Jeder bekam die Aufgabe, ein Zimmer zu einem bewohnbaren Kunstwerk umzugestalten. Einige von ihnen orientierten sich an regionalen Sagen, wie der vom Schlangenkönig, der die Bauernhäuser beschützt. Vom Wassermann, der die jungen Männer ins Wasser zieht und nur die guten wieder freilässt. Oder von Feen, die nachts über Lichtungen schweben. Einige machten sich Besonderheiten des Spreewalds zunutze - im Zimmer "unterüberrock überunterrock" stehen die Betten unter einem riesigen, aus Zweigen geflochtenen Trachtenrock. Und einige schufen intelligenten Nonsens: Sie bauten beispielsweise Miss Marples Abteil im Orient-Express nach oder behaupteten, hinter ihrer Tür die geheime Studierstube eines mysteriösen Privatgelehrten namens Ambrosius Cygan entdeckt zu haben.
Im März 2007 öffnete die Pension schließlich. Nebenbei hatte Axel Kopsch auch noch das alte Bahnhofsbuffet zum Nachtclub "five" umbauen lassen. Morgens dient der Club als Frühstücksraum, tagsüber werden Spezialitäten des Spreewalds serviert - so etwa Zander und Grützwurst oder im Mai/Juni Spargel und "Plinsen" genannte Hefepfannkuchen.
Pension Spreewelten
Bahnhofstr. 3d
03222 Lübbenau
Tel. 03542/ 88 99 77
(Sommer) inkl. wahlweise einer Kanufahrt oder eines Leihfahrrads.
DZ/F ab 55 Euro (Winter) bzw. 75 Euro
Weitere Infos
www.pension.spreewelten.de (Pension Spreewelten)
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