
Autor:
Tom Krausz
Für die Erkundung aller Facetten Bremens hat sich unser Reporter für diesen Reisebericht an die Fersen des langjährigen Bürgermeisters Henning Scherf geheftet.
So groß wie der Roland ist er nicht das Wahrzeichen Bremens ist über fünfeinhalb Meter hoch, die größte Rolandstatue in Deutschland -, aber über zwei Meter ist er schon, der Henning Scherf. Im vergangenen Jahr hat er nach genau zehn Jahren sein Amt als Bürgermeister von Bremen abgegeben. Freiwillig, nicht abgewählt. Um dem Leben, der Kultur und den Seinen mehr Zeit zu widmen. Sehr löblich für einen Politiker!
Wir treffen uns auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Dynamisch erklärt er die Geschichte der Stadt in wenigen Sätzen. Schwärmt von der legendären Bremer Freiheit und dem machthungrigen Erzbischof in seinem Dom, der von den Bürgern der Stadt eine zweite große Kirche vor die Tür gesetzt bekommen hat, und dem Roland auf dem Marktplatz, der als Sinnbild für Bürgerfreiheit gegen jedwede Obrigkeit gilt.
Einigkeit und Wohlstand und Freiheit - so könnte das Motto der Bremer gelautet haben. Immerhin war (und ist) Bremen eine Hansestadt, in der Handel und Weserschifffahrt florierten, denn reiche Pfeffersäcke gab es nicht nur in Hamburg. "War die Hanse nicht ein erfolgreicher Vorläufer der EU? Ich glaube schon", stellt Scherf fest, während wir auf dem im Boden eingelassenen Hansekreuz, der Stadtmitte, stehen. "Tach auch", ist seine Antwort auf die vielen Begrüßungen unterwegs. Ihn kennt fast jeder und verlegene Damen hören schon mal: "Wie geht's euch, frisch verliebt?" Das mögen sie an ihm. Und er ist stolz auf seine Stadt. "Die Bremer Baumwollbörse ist die Nummer zwei in Europa, unser Bremer Freimarkt jährlich im Oktober ist ja wohl die einzige Antwort auf die Münchner Wiesn, wir zählen zu den zehn schönsten Städten in Deutschland und dahinten, direkt an der Weser, das Heiligtum!" Welches Heiligtum? "Na, das Weserstadion, Werder Bremen!" Seine Augen strahlen und er hat Recht. Die Stadt der kurzen Wege mit ihren roten Backsteinbauten, den vielen gotischen Elementen sowie den prachtvollen Patrizierhäusern in Weser-Renaissance gefällt.
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