Nichts ist so unerbittlich in Stein gemeißelt wie ein gut gepflegtes Vorurteil. Damit hat auch Bonn zu kämpfen. Dabei ist die Stadt viel beschwingter, lebhafter, lockerer, als man denkt. Und zu sehen gibt's unendlich viel - in Bonn und in der Umgebung, wie dieser Beitrag zeigt.
Wo sind sie denn alle, die Beamten, die Bonn angeblich so bieder machen? Alle vielleicht in Berlin? Haben sie sich verkleidet? Auf jung getrimmt? Oder war’s immer nur eine Sage, auf die man allzu schnell hereinfiel?
Am Rheinufer ist jetzt, am späten Abend jedenfalls von behördlicher Biederkeit nichts zu spüren. Musik schallt von einer Open-air-Kneipe herunter, Stimmernwirrwarr, man flaniert, knutscht und „lustwandelt“ am Rheinufer. Dazwischen ein versprengter, ob des Auflaufs leicht irritiert irrlichternder Nachtjogger. Gerade noch waren wir unterwegs auf einer kulinarischen Rhein-Cruise.
In Ruhe konnten wir vom stillen Deck aus die Ruine am Drachenfels und die Drachenburg, einen skurrilen Schlossbau im besten Stile des bayerischen Königs Ludwig II., im mondbeschienenen Halbdunkel erahnen ...! Eine halbe Stunde später am „Pier“ in Bonn nimmt uns die Bewegung auf. Jungvolk überall. Schließlich geben die Studenten in der Ex-Kapitale den Ton an, nicht nur an diesem späten Freitagabend ...! Auf der Hofgartenwiese, wo einst gegen den Nato-Doppelbeschluss protestiert wurde, erholen sie sich am Nachmittag vor der ausladenden und frisch gestrichenen Fassade der Universität die vom Lehralltag erschöpften zukünftigen Akademiker. Die Kneipen sind voll. Und die Radwege auch.
Noch einer ist omnipräsent in Bonn: Ludwig van Beethoven. Auf Törtchen und Trafohäuschen, vor dem Postamt und als Graffiti, als Namensgeber für den größten Musiktempel der Stadt, für Straßen und natürlich für einen touristischen Rundgang. Roll over Beethoven ...!
Und dann ist da natürlich noch „ein Haus namens Beethoven“ in der Altstadt. In Hinterhaus und -hof lebten die Beethovens damals. Um Geld zu sparen, denn steuerliche Abgaben wurden nach der Zahl der Fenster zur Straße eingefordert – da lebte man „im Rückraum“ deutlich billiger ...! Instrumente, Dokumente, Bilder und Stiche, Notenblätter, Möbel und die Totenmaske des berühmtesten Bonners geben in seinem Geburtshaus einen Einblick ins Leben des Komponisten.
Aus dem Museum heraus, links und dann nochmals links: Schon steht man vor dem prächtigen Alten Rathaus. Auf dem Markt davor bringen die Ständebesitzer lautstark ihre Viktualien unter die Laufkundschaft – Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, alles aus Deutschland, gar aus der Region, wie die Marktschreier immer herausstreichen ...! Im Eck links vom barocken Rathaus wartet die weniger vitaminhaltige, dafür umso bodenständigere Verpflegungsvariante der Region. Im Traditionsgasthaus „Em Höttche“, wo schon der junge Beethoven vor der schweren Täfelung seinen Kummer ertränkt haben soll, kommt Kräftig-Deftiges auf den Tisch, unter anderem in Form des angeblichen Leibgerichts des Komponisten: Geschnetzeltes. Aber – und das muss sein – auch Rheinischer Sauerbraten ..., Sie wissen schon, der mit der Mandel-Rosinen-Soße und Apfelkompott als Beilage ...!
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mayerulrich sagte vor 33 Wochen 6 Tage:
Schön wär's! Aber so einfach läuft's halt nicht! Ist ja auch nicht nötig, zumindest in diesem Fall (siehe erster Kommentar)!
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Sandra Malle (nicht überprüft) sagte vor 33 Wochen 6 Tage:
... hahahah, ich lach mich kaputt, Herr Mayer!
Werden Sie vom Tourismusbüro Bonns bezahlt?
Falls nicht,würde ich denen für die Aussage eine Rechnung schicken
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mayerulrich sagte vor 33 Wochen 6 Tage:
Genau das will ich! Allein schon weil alle Welt das Vorurteil pflegt. Und weil Bonn samt Umgebung durchaus einen abwechslungsreichen 2-3-Tage-Trip hergibt. Zugegeben, an Kultur und Geschichte muss man schon Interesse mitbringen. Wer allein mediterranes Insel-Feeling sucht und sich nicht mit studentischem Leben (samt Kneipen) und netten Restaurants zufrieden gibt, ist sicher am Mittelmeer besser aufgehoben. Aber ich bin mir sicher, der hat etwas verpasst. Während meines Aufenthalts gab es nicht eine Minute Langeweile. Ich wäre eher noch ein paar Tage geblieben, denn da warten doch noch einige Entdeckungen ...!
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Sandra Malle (nicht überprüft) sagte vor 34 Wochen 14 Minuten:
Herr Mayer, wollen Sie uns im Ernst weißmachen, dass diese langweilige Stadt einen Besuch wert ist?
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