Einst lag über Rügen königlicher Glanz. Dann versank das Eiland in volkseigener Tristesse. Heute erlebt es ein Revival mit allen Zügen von nostalgischer Sehnsucht. Lassen Sie sich von unserem Reisebericht inspirieren!
Ich stehe in einem abgedunkelten Raum der Hamburger Kunsthalle. Die Bilder an den Wänden sind melancholisch. Sie porträtieren Landschaften. Manchmal mit Menschen und Vieh. Ein andermal türmen sich ineinander verkeilte große Eisschollen am Ufer der Ostsee auf. Man hört es förmlich knirschen und leidet fast körperlich unter dem kalten Ostwind, der über das Meer peitscht. Es sind Werke von Caspar David Friedrich, dem großen Maler der Romantik.
Zeit- und Ortswechsel: Ich stehe am Ufer der Wissower Kreidefelsen bei Sassnitz auf Rügen. Ein unglaublicher Schneesturm fegt über die Ostsee, hat über Nacht einen kräftigen Baum der dichten Küstenbewaldung unweit des Meers geknickt und ins Wasser geweht. Eisschollen haben sich nicht gebildet. So strenge Winter wie zu Friedrichs Zeiten gibt es eben glücklicherweise kaum noch.
Der Weg von den Kreidefelsen bis zum Hafen der Stadt ist kurz. Vorbei an morbiden Seebadrelikten aus DDR-Zeiten wie etwa der ulkigen Konzertmuschel führt der Weg in Richtung Altstadt. Eigenartig ist die Stimmung zwischen zeitgemäßer Sanierung und bröckelnden Fassaden. Zugeschneite Gärtchen wechseln sich mit neu eingerichteten Restaurants ab. Eine Gartenmauer wurde mit Märchenfiguren bemalt. Straßenlaternen stehen wacklig in einer ungleichmäßig gepflasterten Gasse. Sassnitz ist der wichtigste Fischereihafen der Insel. Hier findet man die meisten Fischerboote. Die Mole ist bis auf den letzten Liegeplatz besetzt. Kein Fischer würde bei diesem Sturm seine Existenz aufs Spiel setzen.
Inzwischen bin ich durchgefroren und nass. Unweit der Fischerboote befinden sich mehrere Restaurants, von denen das "Gastmahl des Meeres" eines der besten ist. Die Karte bietet eine beachtliche Auswahl an Spezialitäten wie etwa Meer- und Boddenfischen. Bodden sind Binnengewässer, in denen so schmackhafte Delikatessen wie Barsch und Zander gefangen werden. Der steife Grog im "Gastmahl des Meeres" hat meine Lebensgeister wieder geweckt. Der Weg zu Stubbenkammer und Königsstuhl führt durch den Nationalpark Jasmund. Dorthin wandelt man in den Fußstapfen von Königen, Prinzen und - von Caspar David Friedrich.
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