
Autor:
Roland Mischke
Magdeburgs Vergangenheit liest sich wie ein archäologischer Krimi. Gleichzeitig aber gibt sich die Stadt so modern und experimentierfreudig wie dieser Reisebericht.
Wenn sich Magdeburg, eine der ältesten deutschen Städte, als modernes urbanes Gebilde in Szene setzen will, fällt immer ein Begriff: Tokio Hotel. Die Musiker der derzeitigen Kultband aller Teenies, die bei Auftritten 14-jährige Mädchen seriell in Ohnmacht gleiten lassen, sind der bekannteste Exportartikel der Stadt. Die Jungs, alle noch halbwüchsig, stammen aus den Vorstädten, in denen mehr als die Hälfte der Magdeburger lebt, und erzählen Geschichten, die Heranwachsenden dort widerfahren. Dafür ernten die Musiker deutschlandweit Ekstase.
Magdeburger Geschichten haben viel mit Gefühlen zu tun. Und bei Gefühlen sind die Magdeburger stark. Als Magdeburg 1990 zur Hauptstadt des neu gegründeten Bundeslands Sachsen-Anhalt ernannt wurde, war die Empörung groß. Halle an der Saale fühlte sich übergangen und war beleidigt. Dabei nahm die Stadtentwicklung in jener Zeit keine erfreuliche Entwicklung: Magdeburg verlor mehr als 60.000 Einwohner, nachdem industrielle Großkomplexe ohne Zukunft stillgelegt worden waren. Aber die Magdeburger blieben stark und nutzten ihre Chance. Inzwischen hat sich die Stadt aufgerappelt und entwickelt Selbstbewusstsein. Und das entsteht vor allem aus ihrer einzigartigen Geschichte.
Wo war einst die Mitte des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation? Von wo begann die systematische Christianisierung Osteuropas? Wo entstand der Begriff "Abendland", den wir wie selbstverständlich gebrauchen? Kaum zu glauben: in Magdeburg!
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