Elbflorenz stellt nicht nur viel historischen Stuck ins Schaufenster. Sachsens Hauptstadt lebt auch von seiner kreativen Szene. Folgen Sie doch einfach unserem Reisebericht!
Auch das noch! Auf dem Dresden-Programm „Lifestyle & Szene“ steht als erster Punkt um 9 Uhr: Richard Wagner. Da scheppern einem die Ohren doch noch drei Tage … Auf den zweiten Blick beruhige ich mich: Es ist nur der Name unseres Stadtführers. Wir treffen jenen Herrn Wagner in der Hotellobby. Der hat Manieren und verbeugt sich etwas steif, während er meine Hand küsst und dabei einen Kratzfuß macht. Wir sollen ihn Richie nennen. Eine merkwürdige Erscheinung: knapp 1,60 Meter, knielanger Frack, Franzosenmütze.
„Ich war mal Kapellmeister in der Semperoper – auf Lebenszeit“, erzählt er im zweiten Halbsatz. „Das muss so vor etwa“, er überlegt kurz und wiegt den Kopf kurz hin und her, „vor 170 Jahren gewesen sein …“
Unser eingebildeter Begleiter trägt seinen Bart nicht am Kinn, sondern am Hals, was von Weitem wie ein wohlig-wärmender Schal aussieht. Bei 25 Grad und praller Sonne. Die Elbwiesen sind voller Skater, Radler und Jogger, wir schlendern an den Sonnenbadenden vorbei. Mit seinem Spazierstock zeigt Richie mal hierhin, mal dorthin und kommentiert in schönstem sächsischen Singsang.
Meine Freundin Claudia kann sich die Frage nicht verkneifen, warum um Himmels willen er denn als „lebenslänglicher“ Kapellmeister heute Touristen durch die Elbstadt Dresden führe. Richie streift sich über seinen Bart und grummelt irgendwas von „Mai-Uffstand 1849“. Seine Heimatstadt habe ihn damals steckbrieflich gesucht. Richie bekam daraufhin Asyl in München, Zürich, Paris, London, Venedig … Der alte Aufschneider!
Natürlich will er uns seinen Bezirk zeigen: die Äußere Neustadt, das Szeneviertel der freien Lebenskünstler. Hoffentlich kennt Richie wenigstens ein paar angesagte Restaurants jenseits von Broiler, Weihnachts-Striezel und der Schmalzschnitte namens Feddbämme.
Die Dresdner hatten, ganz unabhängig davon, schon immer einen Riecher für die Zukunft. Mit ihrem Erfindergeist waren die Sachsen stets Trendsetter: die Reiseschreibmaschine, die erste deutsche Dampflokomotive und die Spiegelreflexkamera sind hier erfunden worden. Keinesfalls zu vergessen das Meißner Porzellan (das haben sie den Chinesen abgeguckt), der 1908 von der Hausfrau Melitta Bentz patentierte Kaffeefilter, der Teebeutel sowie die Zahnpastatube. Und fürs gesellige Beisammensein steuerten die sächsischen Schlaumeier Filterzigarette, Bierdeckel, unser aller geliebtes Odol und Büstenhalter bei.
Vor lauter High-, Bio- und Nano-Technologie ist Dresden die wohl einzige ostdeutsche Stadt mit mehr Zuzug als Wegzug – vor allem junge Kreative und gut ausgebildete, finanzstarke Party-People. „Bordy-bibl“, wie Richie sagt.
ReiseBuchung
Reisewetter aktuell
Das aktuelle Reisewetterfür Ihr Reiseziel
Reisebücher
-

Die Zukunft der Jurte
mehr Infos -

Das Kochbuch des Kannibalen
mehr Infos -

Tee
mehr Infos -

Das koloniale Indien
mehr Infos -

Die besten Single-Reisen
mehr Infos -

Das Vermächtnis des Dalai Lama
mehr Infos


Reisebericht Elbsandsteingebirge
Kommentar hinzufügen