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Wie wäre es mit 15 Kilometer Sandstrand, Hunderten von Dünen, frischen Krabben und einem verlässlichen Gebläse, das Ihnen mit salzgetränkter Luft den Kopf frei macht? Aber bitte, es muss nicht immer Sylt sein. Ein Reise-Bericht von der nordfriesischen Insel Amrum!
Rechts Dünen. Links Dünen. Der Wind zerzaust den Strandhafer. Schaufelt eifrig feinpudriges Weiß von einer Seite auf die andere. Häufelt nur wenige Wolken übereinander. Knallblau strahlend der Himmel. Die Sonne scheint. Und die Nordsee, die sich gerade auf dem langen Rückzug befindet und elegant verebbt, gleißt so sehr, dass man besser die Sonnenbrille auflässt. Man könnte jetzt das kühle Flens stehen lassen und nochmals die Beach-Kneipe "Strand 33" verlassen.
Dann würde nach einigen Schritten auf dem Bohlensteg zum Strand halb rechts die Südspitze vom Mekka der Starnberger X5-Fahrer, Stuttgarter S-Klasse-Kapitäne und Düsseldorfer Gebrauchtwagenkönige über den Horizont blinzeln. SYLT. Wie gesagt: Man könnte das Flens stehen lassen, tut es aber nicht.
Weil man dieses Amrum-Gefühl in sich aufsteigen fühlt, das eine ostfriesische Brauerei für ihren berühmten, seit zehn Jahren laufenden Werbespot "Frieslandgänger" mit dem nach hinten kippenden unrasierten Mittvierziger verwendet. Dieses Amrum-Gefühl auf jeden Fall ist so verlässlich wie die Gezeiten. Am frühen Nachmittag steigt sie an, die Müdigkeit, der Drang, sich hinterrücks in den Sand fallen zu lassen. Dann, wenn der sportliche Aktivitätsdrang verebbt, kommt die entspannte Faulheit.
Diese Wohlfühl-Mattigkeit ist Folge von stundenlangen Strandspaziergängen - erst mit, dann gegen den kräftigen Wind. Sie wird verstärkt durch eine Deichtour mit Inlineskates, begleitet von den schrill-hysterischen Schreien der rotäugigen Austernfischer. Erst rollt man gegen den Wind (= gefühlter Stillstand), dann mit dem Wind (=Turboeffekt). Und weil man danach mit dem rostigen Fahrrad, das der hinterindische "Mechaniker" der Radverleihpizzeria "Rialto" in Norddorf mit reichlich Caramba-Öl auf halbwegs funktionstüchtig geschmiert hatte, in das putzige Friesendörfchen Nebel geradelt war. Mit dem Wind. Zurück ging es wieder mit Zischluftbremse.
Nebel wird seinem Trübsinn verheißenden Namen nicht gerecht. Im Gegenteil. Der Himmel ist entwölkt, die Sonne enthemmt. Das passt zu den romantischen Friesenhäuschen, die sich unter dicken Reetkapuzen hinter Gartendeiche ducken. Viel Zeit verwenden wir darauf, die Inschriften auf den "sprechenden" Grabsteinen vor der Nebler St.-Clemens-Kirche (kunstvoller Renaissance-Altar!) zu entziffern.
Unter Reliefs von Segelschiffen wurde vor 200, 300 Jahren in Kurzform Leben, Leiden und Dahinscheiden der Amrumer gemeißelt. "Allhier hat seine Ruhekammern das alte ausgelebte Ehepaar ..." Und Knudt Wogens, erfahren wir, fand in 32 Jahren zur See nicht nur immer wieder heim unters Reetdach, sondern auch noch Zeit, drei Söhne und fünf Töchter zu zeugen.
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