
Autor:
Frank Tophoven
Weitere Reportagen
Galapagos Tierisch interessant
An den Anden stranden: Ecuador entdecken Verkannte Schönheit
InsiderTipps
Endlos lange, wunderschöne Sandstrände. Traumwellen für Surfer. Schöne Frauen, heiße Partys. Dazu extraordinäre Strandhotels für unter 50 Dollar. Wo soll es sowas geben? Wir wurden an Ecuadors Küste fündig.
Ständig wird man als Vielreisender von Taxifahrern betrogen. Und nun schaffst du es einmal, selbst einen zu betrügen – und hast ein schlechtes Gewissen! Wir sind auf dem Weg zur Playa Escondida. Eine hügelige Landschaft, eine kurvige, schmale Straße. Mit eisiger Miene chauffiert der Taxifahrer durch die erwachende Natur. Schüttere Wälder, Weiden, Rinder, Pferde im blauen Licht des frühen Morgens. Selten ragen einsame hohe Bäume in den Himmel. Wie erhobene Zeigefinger, die daran erinnern, dass vor nicht einmal 50 Jahren Tropenwälder die ecuadorianische Küste bedeckten.
30 Dollar hatte der Taxifahrer gefordert. Ich hatte ihn auf 20 runtergehandelt, denn er kannte die Entfernung nicht. Ich schon. Je länger die Fahrt dauert, desto weniger spricht der Fahrer. 90 immer schweigsamere Minuten. Der Fahrer sagt nicht Danke, als ich zahle. Ich gebe kein Trinkgeld. Es wäre albern. Wir wissen es beide: Schande über den Taxista, der sich vom Gringo abzocken lässt. Ruhm dem Gringo, der sich letztlich als gerissener Hund erweist.
Klar ist, dass der „Verborgene Strand“ seinen Namen zu Recht trägt. Im Morgengrauen erreiche ich die Herberge. Niemand ist wach. Am Strand baumelt eine Hängematte. Ich fläze mich hinein. Die Sonne geht auf und setzt den Himmel in Brand und das Meer. Schnell bin ich eingeschlafen, plötzlich duftet es nach Kaffee. Die Tasse wird mir direkt unter die Nase gehalten. „Herzlich willkommen, ich heiße Marisol.“
Ich schaue mich um und erkenne, dass ich hier verkehrt bin. Mitten in grüner, tropischer Üppigkeit liegt das offene Restaurant am Strand und ein Haus an einem Hang, das über den Ozean blickt. Die Zimmer sind groß, ebenfalls offen, der Wind weht vom Meer hinein und alles ist aus schweren Hölzern künstlerisch, fantasievoll geschnitzt und gezimmert. Diese himmlische Luxusstrand-Enklave ist auf keinen Fall die von mir gesuchte Preisklasse. Ich frage nach. „15 Dollar“, sagt Marisol, „Frühstück extra.“ Was heißt, dass ich bleiben kann. Einen langen Tag in der Hängematte schaukeln.
Über den Strand drei Stunden lang bis Punta Galera wandern, ein schlichtes Fischerdorf. Da kann man sich mit Ceviche für den Rückweg stärken. Das ist roher Fisch, so frisch, dass er beinah noch mit den Kiemen zuckt (ich habe schon mal gesehen, wie ein Fischer in einen noch zappelnden Fisch lustvoll hineinbiss), frisch gepresster Limettensaft und viele, viele Zwiebeln.
Der Strand von Playa Escondida ist etwas Besonderes. Buchten, die durch Felsklippen voneinander getrennt sind. In die Klippen hat das Meer Tunnel gegraben und durch diese Tunnel gelangt man von einer Bucht in die nächste. Es gibt sandige Stellen, über die Heerscharen von leuchtend roten Krebsen spülen, wie eine Welle fluten sie vor mir her, und wenn ich zu nahe komme, verschwinden sie in sandigen Löchern. Doch meist besteht der Strand aus beinah weich gespülten Felsen. Flache, riesige Platten, die in der Abendsonne leuchten und über die man dem roten Feuerball entgegen in den Ozean watet. Der Ozean plätschert zu Marisols Fischcurry, summt einen rauschend in den Schlaf und weckt morgens mit sanftem Grummeln.
Richtung Süden ist Mompiche die nächste Oase der Zivilisation. Dort gibt es ein Internetcafé, aber noch keinen Geldautomaten. Ein paar Häuser aus Holz und Stein am Meer, wenige Strandbars und Restaurants. Ecuadorianisches Familienglück unter Sonnenschirmen – wohlgenährte Mütter und Väter mit ausgelassen tollenden Kindern. Der Strand ist breit und weit, aus feinem Sand, nur ein kurzes Stück vom Dorf gesäumt und dann läuft er scheinbar endlos weiter und verliert sich in der Ferne. Ich stecke die Flipflops in die Tasche, kremple die Hose auf und spaziere die Wellen entlang. Fischer stehen neben Einbäumen und ordnen Netze. Palmen versinken im Dunst. Der nächste Palmenhain aber ist meiner. Zumindest für einige Tage. Denn eigentlich gehört er Maria. „Warum hast du nicht angerufen?“, begrüßt sie mich, „ich hätte dich am Fluss abholen können.“
ReiseBuchung
Reisewetter aktuell
Das aktuelle Reisewetterfür Ihr Reiseziel
Reisebücher
-

Die Zukunft der Jurte
mehr Infos -

Das Kochbuch des Kannibalen
mehr Infos -

Tee
mehr Infos -

Das Dorf, das Dorf, die Erde, die Erde ...
mehr Infos -

Das koloniale Indien
mehr Infos -

Die besten Single-Reisen
mehr Infos


Kommentar hinzufügen