
Autor:
Brigitte Baumann
InsiderTipps
In Biarritz spielt der Atlantik die absolute Hauptrolle. Die einen reiten auf hohen Wellen, andere holen sich das Meer für Wellness-Wonnen in die Wanne, wie die Autorin dieses Reiseberichts.
Ich glaube es nicht. Der Mann an der Rezeption des Hotels "Miramar" beschwert sich doch tatsächlich über den Lärm, den die Atlantikbrecher verursachen und der seine Nachtruhe stört. Ob er nicht ein Zimmer hinten hinaus haben könne... Dabei ist doch gerade das Zimmer zur Atlantikseite hin der Kick, meine ich. Wo doch die würzige Meeresluft wie ein Suchtstoff wirkt. Mich schaukelt das Rauschen der Wellen in den Schlaf. Und in der Morgensonne funkelt das Meer wie eine Million Diamanten. Sollten einen die Meeresgeräusche tatsächlich früher als üblich aus dem Bett holen, kann man die Gunst der Stunde für einen Spaziergang am Strand nutzen, den man dann ganz für sich allein hat. Sein nördliches Ende markiert der 73 Meter hohe Leuchtturm Phare de Biarritz, zu dessen Spitze 248 Stufen hinaufführen. Der Blick auf Stadt, Meer und Küste bis weit hinein ins nahe Spanien ist überwältigend.
Das morgendliche Idyll hält nicht lange an. Bald beginnt an der Grande Plage das Gerangel um die besten Strandplätze, lauern Dutzende von Surfern der perfekten Welle auf. Biarritz ist der berühmteste und beste Spot für Wellenreiter in ganz Europa und einer der wenigen Plätze, dem auch die Cracks aus Kalifornien und Hawaii Respekt zollen.
Den Weg zum Surf-Mekka ebnete Ende der 50er Jahre ein Amerikaner namens Peter Viertel. Der hatte seine Frau, die Hollywood-Schauspielerin Deborah Kerr, zum Dreh des Streifens "Und immer wieder geht die Sonne auf" an die französische Atlantikküste begleitet und zum Zeitvertreib sein Surfbrett mitgebracht. Und zack, der Trend war geboren! Die angesagten Surf-Hersteller Quicksilver und Billabong haben hier ihren Firmensitz und tragen ihren Teil dazu bei, dass es in dem baskischen Städtchen vor durchtrainierten Sunnyboys mit meersalz-gebleichten Haaren nur so wimmelt.
Doch schon lange vorher war Biarritz von der Prominenz ins Visier genommen worden: Die spätere Kaiserin Eugénie hatte sich 1835 als neunjähriges Mädchen in die Gegend verguckt und kehrte dorthin zurück - als Gattin von Napoleon III., der ihr eine Sommerresidenz bauen ließ. In der Villa Eugénie hielt sich das Herrscherpaar bis 1868 regelmäßig auf, bevor das kaiserliche Urlaubsdomizil in das luxuriöse "Hôtel du Palais" umgewandelt wurde. Gekrönte Häupter aus ganz Europa und die Protagonisten der französischen Künstlerszene wurden Stammgäste. Die Nobelbleibe ist Mitglied von The Leading Hotels of the World und noch immer der Blickfang von Biarritz und erste Hoteladresse der gesamten Region.
Das "Miramar" nebenan kann architektonisch nicht annähernd mithalten. Aber dafür ist es hinter der weißen, schmucklosen Fassade umso attraktiver. Im Untergeschoss tut sich eine wahre Wellness-Wunderwelt auf. Und Wellness an der französischen Atlantikküste kann nur eines bedeuten: Thalasso-Therapie.
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