
Autor:
Markus Kampp
InsiderTipps
Die Bretagne schöpft viele ihrer Wohltaten aus dem Meer. Von Algenbrot, Seemannsbrot und Austern im Finistère. Ein genussvoller Beitrag über Frankreichs delikateste Küste.
"Zersiedelt", sagt mein Schwiegervater gern, "total zersiedelt." Er sagt das oft bei Fahrten über Land, meint aber eigentlich den Blick von oben. Wir sind nur einmal zusammen geflogen, aber seitdem habe ich bei jedem Flug über Deutschland sein leicht schrilles "zersiedelt" im Ohr. Ich weiß jetzt, was ich ihm in Zukunft antworten werde: "Die Bretagne, da hast du Platz, da hat dein Auge Raum, da flieg mal hin."
Tatsächlich ist beim Anflug auf Brest, die wichtigste Stadt der westlichen Bretagne, von drangvoller Enge oder sich aneinander reihenden Ansiedlungen nichts zu sehen. Dafür sieht man ein bisschen Grün mit weiß-braunen Flecken drauf, den Kühen und Schafen. Viel Grau in allen Nuancen - der Granit ist wichtigster Baustoff der Region - und natürlich das Meer. Schwarz ist es, dazwischen fast karibisch durchsichtig über einer der kleinen Sandbänke. Zwischen den Inseln wird es tiefblau und ruhig und dann weiß, zerstoben und laut. Dann, wenn es sich an der zerklüfteten Küste bricht.
Die Bretagne gleicht sich innerhalb ihrer Grenzen wie ein Wachtel- einem Straußenei: der liebliche Süden, das schmucklose Landesinnere oder die raue Küste im Westen und Norden. Genau dort wollten wir hin. Uns den Wind um die Nase blasen lassen, von der Gischt komplett durchnässt werden, in Algen baden, Austern im Dutzend schlürfen und seltsame Geschichten hören.
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