Schlemmertour
Herbstgenuss - Kraut und Reben
Das Elsass ist für köstliche Pasteten und preisgekrönte Weine berühmt. Aber wissen Sie, dass die besten Pfirsiche aus dem Weinberg kommen? Oder wo Ex-Kanzler Schröder sein Sauerkraut isst? Diese Geheimnisse verrät unser Reisebericht.
Die Holztür knarrt. Rot-weiße Tischdecken, das Holz im Kachelofen knistert, eine Madame mit runden Apfelbäckchen schlurft uns aus der Küche freundlich lächelnd entgegen. "Bonjour! Sie nehmen das Tagesmenü?" Klar nehmen wir! Schon glänzt ein Gewürztraminer in den Gläsern, dampft die überbackene Zwiebelsuppe und schwebt eine Entenpastete mit Kirschwasser in den Mund. Oh, là, là!
Wer das Elsass im Herbst besucht, wird sogar beim Wandern verführt. Wir waten im Munstertal durch ein Meer von kniehohem Farn und reifen Heidelbeeren, um die Pfunde der vergangenen Tage abzuarbeiten. Zwecklos! Also tauschen wir die Wanderschuhe gegen das Cabrio. Eine Reise durchs Filetstück der Region: die grüne Landschaft zwischen Straßburg und Colmar, die mit den meisten Sonnenstunden des Jahres, ihren weichen Hügeln und grünen Reben als Eden des Elsass gilt. Hier treffen die "Wein-" und die weniger bekannte "Sauerkrautstraße" aufeinander.
Die Hochburgen des Kohlkopfanbaus liegen direkt vor der Tür, Geispolsheim und Krautergersheim. Philippe Schadt, der braun gebrannte Küchenchef des "Restaurant Schadt - Chez Philippe" mit seinen stechend blauen Augen, ist Verfechter der traditionellen elsässischen Küche. Und die wäre nicht denkbar ohne Sauerkraut: "Jeden Samstag kamen die Sauerkrautfabrikanten der Umgebung zu mir zum Essen. Irgendwann hatte ich dann die Idee - warum das Sauerkraut nicht als gastronomische Verbindung nutzen?" Die Fabrikanten waren begeistert, der touristisch wenig erschlossene Landstrich war versöhnt und das Kraut kam zu Ehren: "Wir servieren es mit frischem Lachs, dazu eine Buttersoße mit Riesling."
Schadt blickt inzwischen auf eine 50-jährige Karriere zurück. Sein Haus stand im Blitzlichtgewitter, als dort Jacques Chirac in Begleitung von Lionel Jospin und Gerhard Schröder zu Abend aßen. Eine große Stunde für den Gastronomen, der es sich nicht nehmen ließ, auch der Prominenz einen ordentlichen Klacks Sauerkraut zu kredenzen.
Serpentinenkurven führen uns ins kleine Dörfchen Niedermorschwihr, das westlich von Colmar neben der Weinstraße thront. Ein Traktor tuckert durch die Reben, wir gehen vorbei an Fachwerkhäusern, riechen schon von weitem den süßen Duft eingekochter Früchte im Reich der Konfitüren-Königin Christine Ferber. In der Dorfbäckerei ihrer Eltern stellt sie ihre köstlichen Aufstriche her. Sie schüttelt uns kräftig die Hand, lacht mit kirschrotem Mund und geht vor in ihr "Laboratorium". Dort wartet eine Gruppe junger Frauen, die Pfirsiche entkernen, schneiden und in einen Kupferkessel geben, bis es dampft und fruchtig riecht. Christine bereitet Teller mit Vanilleeis und der noch warmen Weinbergpfirsich-Marmelade zum Probieren und - Dahinschmelzen! Ihr Geheimnis sind die Früchte selbst. Nur frische Ware aus dem Elsass darf es sein. Würzige Waldheidelbeeren, süße Himbeeren oder der aromatische Pêche des vignes, ein glutroter Weinbergpfirsich.
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Genussreise
Ingolf Nünchert (nicht überprüft) sagte vor 2 Jahre 10 Wochen:
Der Artikel ist sehr shön geschrieben, schon fast literarisch.
ein paar Tips findet ihr auch auf der website:
www.elsass-top10.de
Hotels, Restaurants und vor allem zum Wein!
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