
Autor:
Robert Haidinger
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Die romantische Seine-Metropole hat einen festen Platz im Terminkalender von Touristen, denn ihre Ästhetik verzaubert immer wieder - auch Kenner. Und selbst für diese hält sie allzeit spannende, neue Überraschungen bereit. Wir sagen Ihnen in unserem Reisebericht, welche.
Der letzte Zug an der Avenue Daumesnil ist längst abgefahren. Daran hat sich seit 1969, dem Jahr der Schließung der Bahnlinie nach La Varenne-Saint Maur, nichts mehr geändert. Leute, die in dieser Gegend rennen, wollen keinen Zug erreichen, sie joggen. Schlecht gewählt ist die Strecke dafür nicht: Rund viereinhalb Kilometer zieht sich die Trasse der aufgelassenen Bahnlinie von Bastille-Opéra bis zum Vorort Reuilly hin. Neun Meter über dem Straßenniveau und zugleich eine kleine Ewigkeit von der Stahltraversen-Romantik des frühindustriellen Arts&Crafts-Zeitalters entfernt. Dafür sorgte Anfang der 1990er Jahre Architekt Patrick Berger, der im Rahmen des Revitalisierungsprojekts eine begrünte Promenade auf die Trasse setzte und insgesamt 60 verlotterte Viaduktbögen in den Viaduc des Arts verwandelte. Möbelgalerien, Kunsthandlungen und Antiquariate sind im 12. Arrondissement mittlerweile untergebracht. "Go east, young Parisienne" heißt der Trend im Moment. Der modernistische Parc André Citroën, Mekka von Gartenfreaks aus aller Welt, der neue Triumphbogen von La Défense oder die zerfallende Romantik des ehemaligen jüdischen Gettos im In-Viertel Marais beschleunigen diese Zuneigung für die östlichen Stadtteile.
Klar, dass auch diese lange "übersehenen Bezirke" mehr zu bieten haben als vergleichsweise günstige Mieten. Im alten Bercy etwa, in der einstigen Hochburg traditioneller Pariser Weinhallen, will man die alte Atmosphäre wieder aufleben lassen. Mit Gartenlokalen in der Tradition der Guingettes etwa, eines fast in Vergessenheit geratenen Pariser Gegenstücks zum Wiener Heurigen, aber natürlich auch mit einer Überdosis Design. Très chic ist Paris nämlich auch dort. Das beweist allein der Blick ins Szene-Bistro "Chai 33", den spektakulärsten Umbau des Weinhallen-Viertels Bercy: Dort hat man kurzerhand Flaschen als dekorative Raumteiler hochgestapelt. Wer die Bar besucht, findet sich zwischen feinstem Samt, glattem Alu und Deckenfresken wieder.
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