
Autor:
Cornelia Gerlach
InsiderTipps
Der gute alte Kolumbus fuhr an dem Eiland vorbei. Dabei macht die Gewürzinsel Grenada richtig Spaß. Ein Reisebericht von den Kleinen Antillen.
Unten liegt der Strand, leuchtend gelb und lockend. Bougainvilleen blühen, Bananenstauden, Fächerpalmen, Heliconien. Das Licht ist weich. Die Schritte federn. Dann stecke ich zum ersten Mal meinen Zeh ins Meer. Eine Welle rollt heran, sie zieht den Sand unter meinem Fuß weg. Sie ist lockend warm und türkis.
Wir sind auf Grenada, der Gewürzinsel im Süden der Kleinen Antillen. Der Strand ist voll heute, ein Kreuzfahrtschiff liegt im Hafen. Die Passagiere kommen in Scharen. Baden. Sonnen. Haben ganz schnell viel Spaß. Ein Mädchen liegt am Spülsaum, dort, wo Land und Meer überlappen. Es lässt sich von der Sonne streicheln, von den Wellen umspülen, immer im Wechsel. Dann steht es auf, knotet ein buntes Tuch um die Hüften und geht zur Strandbar, wo unter dem limettengrünen Dach die Mitreisenden zu Reggae-Rhythmen wippen. Rum-Punsch? Frucht-Punsch? Oder doch eine Cola?
Wir haben Zeit. Wir wollen die Insel erkunden. St. George’s, die Hauptstadt, ist mit 8.000 Einwohnern kaum mehr als ein Dorf. Lila, rosa, mintgrün, gelb, orange, pink und hellblau schmiegen sich die Häuser an die sattgrünen Hänge, fast jedes hat eine Veranda mit Blick aufs Meer. Wir fahren am Terminal für die Kreuzfahrtschiffe vorbei, am Stadion, das für den Cricket-World-Cup 2007 gebaut wurde, und auf der Carenage, jener Straße, die den Hafen umschließt, links das Wasser, die Boote, Fähren zu den benachbarten Inseln. Und rechts Lagerhäuser, Geschäfte, Bars und Restaurants. In einem setzen wir uns ans offene Fenster. Es riecht nach Meer und frischem Fisch und köstlichen, scharf-fruchtigen Gewürzen. Draußen flanieren Leute vorbei. Wir studieren die Frisuren der Frauen. Es gibt bunte Perlengehänge, Zopfgirlanden, Rattenschwanz und Dutt. Eine trägt das schwarze Kraushaar zum Schneckenhaus getürmt, eine andere hat sich Marsmensch-Antennen geflochten. Die Jungen tragen Kopftuch, Baseballkappe, Rasta oder alle drei auf einmal.
Der Ami mit den lichtblauen Augen, der am Nachbartisch mit drei Frauen gleichzeitig flirtet, hat Zöpfe in seine langen weißen Zauselhaare geflochten und bunte Perlen eingeknotet. Dazu trägt er ein knallrotes T-Shirt, auf dem er seine Botschaft verkündet: „Sail fast – live slow“.
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