
Autor:
Franz M. Frei
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Die östlichste Insel Griechenlands liegt so nah vor der südtürkischen Küste, dass man den Muezzin hören kann. Die größte Attraktion der kleinen Dodekanes-Insel? Dass es nicht viel mehr zu sehen gibt als eine „Blaue Grotte“, eine Burgruine und ein paar gute Fischlokale.
Einer dieser magischen Abende am Mittelmeer kündigt sich an. Im langen Schatten der Häuser tragen Frauen Schüsseln mit Salat und Gemüse in die Küchen. Restaurantbesitzer decken die Tische entlang dem Hafenkai für die Abendgäste neu ein. Bald schmoren gefüllte Paprika und Stifado in den Töpfen und Mousaka im Backrohr. Auf dem Grill brutzeln Lammkoteletts, Oktopus und frischer Fisch. Gerade eben war ich noch im türkis schimmernden Wasser schwimmen, um mich von der Hitze des Tages abzukühlen.
Der Inselzwerg ist zwar nur knapp neun Quadratkilometer groß, hat aber jede Menge Namen: Megisti nennen ihn die Griechen, die Türken sagen Meis zu der größten einer Handvoll Inseln vor der Küste des Touristenorts Kas. Die einzige ständig bewohnte Insel des kleinen Archipels wird in der deutschen Reiseliteratur meist Kastelorizo genannt, was wiederum sehr nach dem Castel Rosso der Italiener klingt. Die Ruine der „roten Burg“, die vor über 600 Jahren von den Johannitern errichtet worden ist, steht über der Moschee und dem Gebäude der Hafenmeisterei. Bunte Häuser gruppieren sich um sie herum. Die schmale Landzunge Kavos unterteilt die einzige Ansiedlung der Insel in zwei Häfen, Mandraki und Limani.
Vor 20 Jahren war ich schon einmal hier. Freunde hatten mich gewarnt, an den Ort eines schönen Urlaubs zurückzukommen. Die Neugier war stärker. Ausgelöst hatte sie die Ansprache des griechischen Premierministers Papandreou, in der dieser IWF und EU um finanzielle Hilfe für das halbbankrotte Griechenland bat – ausgerechnet vor der Kulisse von Megisti. Da erinnerten die farblosen Fassaden der Häuser mit den geschlossenen Fensterläden mehr an „Spiel mir das Lied vom Tod“ als an das typische Mittelmeerinsel-Idyll.
Marie Rivalant, französische Innenarchitektin und Besitzerin des Hotels „Mediterraneo“, schlägt beide Hände über dem Kopf zusammen, als ich sie auf die TV-Szene anspreche. „Ich kann immer noch nicht verstehen, warum er für den Appell gerade hierhergekommen ist.“ Marie erzählt mir von den Entwicklungen auf der Insel. So etwa, dass die Moschee Farbe bekommen hat, dass die Menschen hier wieder zuversichtlicher in die Zukunft blicken, dass viele Häuser gebaut wurden. „Gott sei Dank“, sagt sie, „gibt es eine strenge Baukommission, die nur Häuser im traditio- nellen Stil erlaubt.“
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