
Autor:
Robert Haidinger
InsiderTipps
Wissen Sie, wo Griechenland italienisch ist? Wo die Inseln grün und einige der schönsten Strände des Landes zu finden sind? Wo sich lichtes Blau an weißen Kreideklippen reibt? Wir wurden während der Recherchen für unseren Reisebericht auf den drei wichtigsten Inseln des Ionischen Archipels und bei einem Abstecher ins Epiros-Gebirge auf dem Festland fündig.
Sie hatte Haare fast bis zum Boden, ein energisches Kinn und eine Schwäche für einen griechischen Supermann mit einem klitzekleinen Fersenproblem - für Held Achilles, der immer noch im Haus der längst verblichenen österreichischen Kaiserin Elisabeth anzutreffen ist. Überall dieser fesche Achilles! An den Wänden der Villa und im Garten kann man ihn sehen. Neben den grünen Ausrufezeichen der Zypressen lümmelt er herum, reckt zwischen Rosenranken seine edle marmorblasse Stirn. Nur James Bond war vielleicht einen Hauch schöner, als er in Sisis berühmter Villa Achillion zu Gast war und dort hoch pokerte. Korfu genoss er eher nebenbei, so wie seinen klassischen 007-Aperitif. Wetter wie Martini: lieber trocken. Und wichtig: mit Olive, bitte!
Korfu ist eine Art Freilichtmuseum des eleganten Lebens geblieben. Eigentlich müsste man weiße Leinenhosen tragen und die Damen statt knappen Strandbar-Bikinis Sommerkleider aus rauschendem Chiffon. Dazu Perlenketten und Handtaschen mit dicken Bündeln von Geld, denn die Nähe zur Adria und den betuchten Sommerfrischen des ehemaligen k. u. k. Dalmatien spülte stets Schickes heran. Später feilten Schriftsteller wie D. H. Lawrence und Lawrence Durrell mit ihrer feinen Schreibe am Mythos der Insel. Was allerdings gar nicht nötig war. Geschliffen wirkt dieser stilvolle Flecken ja bereits auf den allerersten Blick. Sogar mit dem Finger auf der Landkarte: Korfus Umrisse erinnern an ein Füllhorn.
Verschwenderisch grün ist die Insel, erst recht für griechische Verhältnisse. Korfu gilt zu Recht als Blumeninsel, der immer neue Lebenskünstler die Aufwartung machten. Vor allem kamen reiche Briten und genossen, zwischen den geblümten Sofas ihrer Ferienvillen und dem anbrandenden Blütenmeer, Korfus geballte Flower-Power. Dafür durfte sich die umliegende Region ab 1864 dann auch Vereinte Staaten der Ionischen Inseln nennen. Fast 60 Jahre hatte der selbstständige Staat von Großbritanniens Gnaden Bestand. Wobei Korfu die Rolle des klassizistischen Leithammels des Inselreichs zufiel und nun seine St.-George-Kirche im Stil eines dorischen Tempels ertragen muss.
Ouvertüre der ionischen Insel-Sinfonie ist Korfu noch heute und versteht sich auch im Jetztzeitalter auf ein stilvolles Entree. Schon beim Landeanflug leuchtet Griechenlands berühmtestes Postkarten-Klösterchen aus der tiefblauen Adria-Bucht herauf. Es ist - man kennt es von 1.000 Postern her - der über einen langen Steg mit dem Ufer verbundene Farbklecks, das Klosterinselchen Vlacherna. Extra hinfahren muss man dann nicht mehr.
Es sei denn, man möchte das darauf gelegene weiße Kloster auch noch von der Seite und die Charter-Flieger von unten sehen. Doch welche Zeitverschwendung! Korfu hat Besseres zu bieten. Einen geruhsamen Spaziergang durch Kerkyra etwa, wie die Griechen Korfu-Stadt nennen. Und viele Rastplätzchen, um alles in Ruhe zu sehen. Schließlich verströmt Kerkyra die Aura von 200 Jahren Müßiggang. Hier ein hübscher Pavillon, dort ein elegantes Korbstuhl-Café, dessen Kellner man auch in Sachen Grappa-Wahl vertrauen kann...
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