
Autor:
Martin Müller
InsiderTipps
Die Halbinsel, die mit ihren drei Fingern tief in die Ägäis reicht, bietet ein wahres Eldorado für Strandurlauber. Das beweisen unsere Reporter in diesem Reisebericht.
"Kollega! Bulgaria? Sofia? " Der Lastwagenfahrer kann sich keinen Reim auf die Wegkreuzung machen und brüllt uns die Frage vom Steuer aus zu. Spontan weisen Fotograf und ich in Richtung des Rhodopen-Gebirges, hinter dem Sofia liegt. Man kennt sich aus und hilft gern.Wir kurven durch Griechenlands Norden und der schmiegt sich geografisch und historisch eng an Bulgarien, Balkan und Türkei. Die Gegend ist ein rechtes Puzzle, aber nach einer Woche on the road geben wir lässig den Wegweiser.
Eine Landpartie durch den griechischen Norden muss in Thessaloniki beginnen. Die Stadt am Meer ist Makedoniens Metropole, allerdings wurde sie erst acht Jahre nach dem Tod Alexanders, des großen Makedoniers, gegründet. Hier streicheln wir über Karten und schmieden Pläne für ein langes griechisches Straßenabenteuer. Aufs Geratewohl soll es gehen.
Es liegt nahe, sich erst einmal die nahe Chalkidiki einzuverleiben. Die Halbinsel, die mit den drei Fingern Kassandra, Sithonia und Athos tief in die Ägäis hineinreicht, bietet viel Sand und Strand, allerdings wenig Kultur. Okay, aber wir wollen uns keineswegs wie vormals Odysseus von Sirenen oder Inselzauberinnen an die blauweißen Gestade und Eilande fesseln lassen.
Wir lassen unserem Kleinwagen seinen Lauf und schaffen es gleich bis zur Nahtstelle der Kassandra-Halbinsel. Und sind schon auf einer Insel gelandet. Zwar ist der Kanal nur 40 Meter breit, war auch viele Jahrhunderte zugeschüttet, aber eigentlich macht er aus Kassandra eine Insel. Wir halten an, gucken von der Brücke auf das bisschen Wasser und entscheiden, den Finger nicht als Insel zu zählen.
Aber so schnell kommen wir nicht weiter. In Nea Skioni steht direkt am Ufer die kleine Wallfahrtskapelle Panagia Faneromeni. Dort stoppt uns Nancy, die ihre Haare auffallend kurz und weißblond gefärbt trägt und auch sonst nicht klassisch griechisch proportioniert ist. Nach dem pensionierten Olympioniken jetzt also eine gertenschlanke Sirene. Bald tauchen weitere Schönheiten auf, alle im mehr oder weniger knappen Schwarzen, sie prosten einander mit gut gefüllten Schnapsgläsern zu und sind der Meinung, wir sollten mithalten. Eine griechische Hochzeit am Wegrand hält eben den unentwegtesten Reisenden auf. Ein graubärtiger Geistlicher gibt der Vermählung von Fotograf und Architektin den orthodoxen Rahmen und wird dabei umschwärmt von knipsenden Kollegen des Bräutigams. Das Paar bekommt Geflochtenes aufs Haupt gedrückt, einen Schluck Wein aus dem Messkelch und dann geht's dreimal um den Altartisch, geduckt in einem niederprasselnden Hagel aus Reiskörnern. Risi heißt im Griechischen Reis, Risono steht für Verwurzelung, weshalb die Ehe sinnfällig geschlossen ist.
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