InsiderTipps
Urlaub auf dem Bauernhof mal ganz anders. Zu Fuß durch den Süden Grönlands, von Schaffarm zu Schaffarm. Die neue Entdeckung der Langsamkeit. Und völlig neue Einblicke in den Alltag der Schafzüchter.
Grönland ist die größte Insel der Welt, ein nahezu wegloses Land. Nur in den Orten liegen schmale Bänder aus Teer und Schotter. Sie enden am Ortsrand. Dahinter findet Fortbewegung meist in Booten statt, längere Distanzen überwinden die Grönländer mit dem Helikopter. Wer mit Karte und Kompass umzugehen weiß, der kann aber auch auf eigenen Beinen durch diese grönländische Urlandschaft wandern. Übernachtet wird auf verschiedenen Schaffarmen, ansonsten im Zelt.
Blick auf Qassiarsuq: Der Ort wirkt verlassen. Eine Handvoll bunter Häuser, im Wind flatternde Wäsche, streunende Hunde und mittendrin ein altes Mütterchen, das krummbeinig den Dorfweg entlangwackelt. Eine skurrile Szene, verstärkt noch durch die großen Eisblöcke, die weiter hinten am Hang liegen und deren Schmelzwasser die Wiesen tränkt. Wo die staubige Piste am Rand des Dorfs endet, beginnt ein schmaler Pfad. Vor dem Wanderer liegen fünf Stunden Fußmarsch, Richtung Süden. Der Kompass hängt griffbereit am Gürtel, die Wanderschuhe sind geschnürt. Über grüne Hügel hinweg, die Einsamkeit als Wegbegleiter – bis irgendwann die Farm Inneruulalik zu sehen ist.
Das Begrüßungskomitee bilden kleine, struppige Hunde mit Knopfaugen. Die Farmtür öffnet sich und eine Frau in Jeans und T-Shirt begrüßt ihre Gäste mit einem fröhlichen Lächeln und dem Wort „tikilluaritsi“. Zumindest hört sich das grönländische „Willkommen“ so ähnlich an. Kurze Zeit später sind die Wanderstiefel gegen plüschige Hausschuhe getauscht. Zeit fürs Abendbrot. Auf den Tellern liegen Lamm mit Blaukraut, selbst gebackenes Brot und Rhabarberkuchen, die Familie erzählt derweil vom Leben auf ihrer Farm. Davon, dass der Sommer trocken ist, dass die Bäche wenig Wasser führen, die Kartoffeln und das Getreide schlecht wachsen. Die Berichte handeln auch vom Schafabtrieb im Herbst, der vier Wochen dauert. Nicht, weil es so viele Schafe gibt, sondern weil Zäune fehlen. Die Tiere stünden bis zu 20 Kilometer weit entfernt, bis ganz hinten, wo das Inlandeis beginnt.
Viel Arbeit macht so ein Leben auf Grönland, dafür sind die Abende bei Hendrine und ihrem Mann Jörgen gemütlich. Warm und voller Erinnerung an Jörgens Eltern, die den Hof gebaut haben. In einer Ecke steht noch der Sessel des Vaters, in dem dieser Abend für Abend auf den Fjord geblickt habe. In den Zimmern hängen alte Lampen, hergestellt aus dem Horn von Moschusochsen. Ein Wandteppich zeigt das Letzte Abendmahl, über dem Harmonium prangt ein Bild von Maria und Jesus.
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