
Thomas Schmidt
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Die Grand Tour ist die legitime Urahnin des Tourismus. Sie hat ihren ursprünglichen Sinn kaum verwässert: Reisen bildet, erzieht und zerstreut.
Degen und Diarrhö. Florett und Flöhe. Mord und Moral. Stock und Stein. Pestilenz und Pistolen. Schlamm und Schlamperei. In solchen Wortpaaren spiegeln sich Wirklichkeit und Widersprüchlichkeit der Grand Tour, einer vortouristischen Reisedisziplin, am besten wider. Freiwillig ließen sich die europäischen Eliten rund 300 Jahre lang verladen und gründlich durchschaukeln, um den alten Kontinent von Sussex bis Sizilien unter die Räder ihrer Kutschen und in ihre Köpfe zu bekommen. Die Grand Tour war die im 17. Jahrhundert angesagte Medizin gegen die Melancholie, gegen die Jahrhundertkrankheit schlechthin, an der die jungen Intellektuellen litten. Diese erste individuelle Reisewelle war Medium für eine bis dahin ungeahnte materialistische Machtentfaltung. Und die Grand Tour war nicht zuletzt eine Rückkehr in die Antike. Um es auf eine griffige Formel zu bringen: Reisen gehört zum uralten Hochadel menschlicher Neugier.
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