
Autor:
Martin Müller
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Stadtrundfahrten einmal anders! Ein exzentrischer Neuseeländer bietet eine Sightseeing-Tour auf der Themse mit dem Paddelboot an. Ähnlich gefährlich: London per Rad. Unser Reisebericht stellt zwei echte Geheimtipps aus England vor.
Big Ben gongt siebenmal – wie gehabt sonor. Die Sonne ploppt wie ein roter Ballon hinter der Tower Bridge aus der Themse. Der Fluss ist schon hellwach und spült gerade eine Vier-Meter-Flutwelle flussauf. Idealer Zeitpunkt, um an der Tower Bridge auf die Welle zu springen und flussauf in Richtung Westminster mitzuschwimmen. Am Fuß einer Steintreppe schieben wir unsere Kajaks in den Strom.
Darf man eigentlich mitten in London auf der Themse paddeln? Danny Gillard, Flussführer aus Neuseeland, grinst: „Macht sonst keiner. Aber niemand kann uns aufhalten, der Fluss ist frei!“ Man muss vielleicht vom anderen Ende der Welt kommen, um so gegen den allgemeinen Strom zu schwimmen. Denn nur Kiwi Danny traut sich, die knapp fünf Kilometer Filetstück der Themse zu paddeln und das als alternatives Sightseeing anzubieten.
Die Themse schiebt uns unter der London Bridge durch. Die ist nicht wirklich schön, Baujahr 1972 eben. Die Römer bauten 50 vor Christus die erste Brücke aus Holz und gründeten Londinium, weil damals die Gezeiten noch genau hier verebbten. Das vorletzte Modell war aus Granit und wurde 1968 von einem Amerikaner nach Arizona verfrachtet. Das aktuelle Betonstück wurde 1984 von einem Kriegsschiff gerammt. „Nicht zu nah an die Pfeiler geraten!“, ruft Danny.
Unser geschmeidiger Slalom führt unter zehn Brücken hindurch. Genietete, geschmiedete und gegossene Schmuckstücke aus Eisen, die aus der Paddlerperspektive ihre wahre Schönheit enthüllen. Vor allem, wenn die noch tief stehende Sonne perfekt von hinter uns die Unterseite der Bögen bescheint. Brücke Nummer fünf ist etwas ganz Besonderes. Die im Jahr 2002 in Betrieb genommene Millenium Bridge zwischen Tate Modern Gallery und St Paul’s Cathedral bietet seit römischen Zeiten die eleganteste Art, den Fluss zu Fuß zu überqueren.
Wendepunkt Westminster Bridge. Schnell ein paar ungewöhnliche Fotos vom neugotischen Parlamentsgebäude, dann schaltet der Fluss um auf Gegenschub. Perfektes Timing also. Denkste! Fix kommt uns auf der Rückfahrt ein Polizeiboot entgegen. Ein Gefühl, als wären wir beim Kronjuwelenraub erwischt worden.
Aber es kommt anders. Statt Handschellen gibt’s einen freundlichen Händedruck. „Good morning! Wir hatten schon etliche Telefonanrufe, weil ihr vorm Parlament herumgekreuzt seid.“ Freundlich werden wir über eine imaginäre Grenzlinie in der Flussmitte aufgeklärt. Wow, die Wasser-Bobbys sind nett! Es gibt Tee aus den Thermos.
In der Stadt der nächsten Olympischen Spiele gibt’s noch mehr gefährliche Sportarten. Robert Graham verleiht Fahrräder und führt Touren durch Londons Verkehr. Robert sieht fast aus wie ein Double von Boris Johnson, dem neuen flamboyanten Bürgermeister. Der radelt auch, nämlich zur Arbeit im Rathaus an der Tower Bridge. Dabei hat man Biking Boris bei der Missachtung von roten Ampeln und Fußgängerbereichen gefilmt und bei YouTube denunziert.
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