Guatemalas ehemalige Hauptstadt Antigua ist ein lebensfrohes Juwel kolonialer Architektur. Und der österliche Prozessionsreigen der Semana Santa ein Erlebnis für sich. Wem dies alles zu viel wird, der entspannt am nahen Atitlán-See. Ein Reisebericht.
Herrlich, dieser Vormittag im "Caffe Opera". Die Ruhe, die herrscht, wenn es die Menschen nach dem Frühstück wieder auf die Straße zieht. Und in das flirrende Licht der Hochlandstadt Antigua. Im Café hängen Opernplakate aus den großen Städten Europas, Heldengesang eines Tenors strömt durch den Raum. Durch die Fenster stechen Lichtsäulen und zeichnen gleißende Spots auf das Schachbrettmuster der Bodenfliesen. Ich bin mittlerweile der einzige Gast. Idealer Moment für einen Cappuccino. Einen echten Cappuccino, der dumpf und bitter nach Espresso schmeckt, dem der Milchschaum Leichtigkeit verleiht und feiner Kakaostaub die Raffinesse. In Guatemala ist Cappuccino kaum mit Gold aufzuwiegen, weil meistens einfach nicht erhältlich. Denn Guatemala ist ein armes Land.
Doch in der ehemaligen Hauptstadt Antigua gehört Cappuccino zu den alltäglichen Annehmlichkeiten wie ausgedehnte Shoppingtouren. Das wird einem schnell klar beim Bummel vorbei an den italienischen, französischen und mexikanischen Restaurants und an den Läden in der 5. und 6. Avenida, den wichtigsten Einkaufsstraßen Antiguas.
Elegante Menschen beladen mit großen Einkaufstüten: eigentlich wie überall auf der Welt. Aber die Geschäfte sind anders. Eine schöne Frau lacht mich an. Sie hat große dunkle Augen und lange schwarze Haare, trägt enge Jeans und ein winziges Top. Sie lacht mich an und sagt, ich solle doch hereinkommen. Dann zeigt sie mir Decken, Vorhänge und Kissenbezüge, alles aus handgewebten Stoffen genäht. Die Schöne heißt Lydia, verkauft Einrichtungstextilien und hat ihr Geschäft ausgestattet mit Wolle und Baumwolle, ungefärbt oder in warmen Pastelltönen. Geheimnisvoll starren geschnitzte Masken von den Wänden, Orchideen leuchten in schlichten Glasvasen.
Antigua ist ein einzigartiger Ort. Die jahrtausendealte Kultur der Maya befruchtet Kunst und Design. Kleine Einrichtungshäuser präsentieren handgeschreinerte Möbel aus schweren Hölzern. Die Boutiquen in den Avenidas verkaufen Elegantes und Schräges aus den von Indígenas gewebten Stoffen. Und in den Galerien und Schmuckwerkstätten lebt die Kunst vom Reichtum an Farben, Formen und Fantasie und schafft doch etwas völlig Neues und Eigenständiges.
Pauken wummern, Trompeten und Posaunen scheppern und kommen näher. Weihrauchschwaden steigen auf und treiben durch die Straße. Es ist Karwoche, die Woche der Osterprozessionen, in Antigua. Hilflos eingekeilt stehe ich zwischen den Menschen im Weihrauch. Ich huste, meine Augen tränen. Es gibt kein Vor und kein Zurück. Hinter mir - am Parque Central - wogt die Prozession der Bruderschaft Jesús Nazareno del Perdón, vor mir defiliert die Prozession der Jungfrau der Einsamkeit über die 4. Avenida. Ich spiele meinen letzten Trumpf aus. Drängelnd halte ich die Kameras in die Höhe, rufe entschuldigend: "Prensa" - Presse. Die Leute schauen mich an, zucken mit den Schultern. Sie können mir keinen Platz machen. Es ist zu voll.
ReiseBuchung
Reisewetter aktuell
Das aktuelle Reisewetterfür Ihr Reiseziel
Reisebücher
-

Die Zukunft der Jurte
mehr Infos -

Das Kochbuch des Kannibalen
mehr Infos -

Tee
mehr Infos -

Das Dorf, das Dorf, die Erde, die Erde ...
mehr Infos -

Das koloniale Indien
mehr Infos -

Die besten Single-Reisen
mehr Infos


Reisebericht Mittelamerika
Britta (nicht überprüft) sagte vor 2 Jahre 29 Wochen:
Nach Antigua in der Karwoche!! Wau, ein Traum!!
Ich hoffe ich schaffe das noch mal in diesem Leben. Übrigens: Am Lago Atitlan kann man auch urige Hütten mieten - war auf jeden Fall vor ein paar Jahren noch so -. Da sitzt man dann und schaut auf den See und die Vulkane. Auch das ein echter Traum! Hingekommen sind wir damals mit dem Boot von Panajachel aus. Ich erinnere nicht mehr den Namen, aber es war die erste o. zweite Station von Panajachel aus, vielleicht war es ja sogar San Pedro. Ach war das ein schöner Urlaub ....
Diesen Beitrag melden!
Kommentar hinzufügen