
Robert Haidinger
InsiderTipps
Mumbai ist der somnambulste Moloch des Indischen Subkontinents. Endlosstaus, coole Clubs, Hunderte neuer Wolkenkratzer, Tausende aufgekratzter Partygänger. Aber auch enge Basargassen, Menschenmassen und ein Orkan von Farben und Gerüchen. Stürzen wir uns ins Getümmel!
Gewitter in der Nacht. Mit Funkenregen, der im weiten Bogen durch den Himmel tanzt. Aber es ist weder das indische Lichterfest Diwali noch ein ganz normales Party-Feuerwerk. Es ist bloß die Nachtschicht der Schweißer, die am Shhatrapati Shivaji Airport über Baugerüste turnt. Mumbai begrüßt seine Gäste bereits am Flughafen, der gerade recht rabiat vergrößert wird, mit leicht flackerndem Nervenzucken. Auf die Neuankommenden wartet ein Taxi-Slalom: hier ein Schlagloch, da ein fransiges, rudimentäres Stück Asphalt. Dazwischen ragen die Silhouetten der neuen Hotels auf, die sich weit im Norden der Stadt neben kleine Teeläden und Hüttensiedlungen gezwängt haben. Und nicht selten auch einfach über sie.
Es gab Zeiten, da lag der Airport außerhalb von Mumbai, das damals noch Bombay hieß, vom portugiesischen „Bom Bahia“, der guten Bucht. Doch diese Tage sind längst vorbei. Die Stadt ist über die Rollbahnen hinausgewachsen, hält sie umzingelt. Doch auch das ist für einen Ort wie Mumbai nicht wirklich neu.
Neu ist allerdings die Frage der Taxifahrer, in welches Mumbai die Reise denn gehen soll: in das der umliegenden Vorstädte vielleicht? Und wenn ja, in welche? In das ehemalige Fischerdorf Bandra, heute die neue Wohlfühl-Oase der Reichen und Clubber? Oder an den kaum weniger angesagten Juhu Beach in relativer Nähe zum Airport, hinter dem andererseits ja auch Andheri liegt – eine weitere Vorstadt, die Alt-Bombay soeben mit 100 Sachen auf der Lifestyle-Spur überholt. Angesagte Shopping-Malls und Multiplex-Kinos wie der Lokhandwala Complex beweisen das auf den ersten Blick.
Apropos 100 Sachen. Taxifahrer Iqbal – weißes Häkelhäubchen, Hennabart, Bleifuß im Pailletten-Pantoffel, kurz: tadellose muslimische Nachteule – empfiehlt ungeachtet dieses „Mumbai der 1.000 Himmelsrichtungen“ die historische Stadt. Vielleicht sogar wegen der schönen Gebäude, die zurzeit frischen Mörtel und Restaurierfarbe anlegen.
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