
Autor:
Robert Haidinger
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Auf Tigersafari in Indien Tiger, bitte melden!
InsiderTipps
Bergluft mit kolonialer Duftnote schnuppern in Mussoorie und Shimla, süß-schwere Schwaden im Kulu-Tal. Und über den Rohtang-Pass bis kurz vor Tibet - und ins höchstgelegene Dorf der Welt. Ein Reisebericht vom Dach der Welt.
Dieser Tiger ist gefährlich! Obwohl er mit ausgestopftem Kopf an der Wand des "Kasmanda Palace" auf Prakash lauert. Der matte Glasaugenblick täuscht: Er ist gefährlich bis zum Kreuzverrenken! Der Hausdiener Prakash weiß, wovon er spricht, dehnt sich, dass alle Wirbel knacken, während sich sein Staubwedel bis hinters Ohr des Tigers pirscht.
Er muss noch abstauben und gegen Motten kämpfen, die Gänse von der Badmintonwiese jagen und später Unkraut jäten, das wächst im Örtchen Mussoorie wie gedopt. Doch vorher muss er mir die Silberkanne Tee zur Bergblickterrasse tragen, wo ich Rucksack-Sahib mein Masala-Omelett geordert habe. Das ist mein Lieblingsplatz. Filigran gewundene Eisenmöbel laden dort zum Verweilen ein und an klaren Tagen schieben sich die Sechstausender wie zackig vereiste Börsencharts vor den Horizont.
An mächtigen Himalaya-Zedern vorbei durchs Tor des "Kasmanda Palace" und in den wabernden Nebel eingetaucht! Mussoorie hat sich soeben in ein Puzzle verwandelt, mit nebelweißen Flecken und sonnigen, schnell aufreißenden Gucklöchern. Die ockergelbe Christ Church verschwindet wie in einem Horrorfilm hinter neuerlichen Schwaden. Schneeweiß leuchtet eine Villa auf einer rasengrünen Kuppe - und neben moosigen Grabsteinen, wie man Sekunden später erkennen kann.
Das nordöstlich von Delhi im Vorgebirge des Garhwal Himalaya gelegene Städtchen ist einer von vielen Höhenkurorten, die die Briten einst im Akkord anlegen ließen. Komplett mit hölzerner Rollschuh-Arena, Ballsaal und Schmalspureisenbahn für die stilvolle Anreise.
Wir blättern im Bilderbuch der indischen Kolonialgeschichte: Auf lange Flanellunterhosen, viel Madeira und noch mehr Gin mit Tonic setzten die englischen Truppen im Kampf gegen Gluthitze, Moskitos und Cholera des Tieflands. Viel effektiver waren die Bergorte des Himalaya. So entstanden HillStations wie Darjeeling, Shimla oder Mussoorie, an denen vor allem der erklärte Todfeind Langeweile bekämpft wurde.
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