
Autor:
Robert Haidinger
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Hier ist Indonesien besonders verschwenderisch in Sachen Naturschönheiten. Es warten geheimnisvolle buddhistische und hinduistische Tempel, zarte tropische Pracht sowie temperamentvolle Vulkane. Und es lockt Strandsammler mit unbekannten vorgelagerten Inselchen. Zeit für Wiederentdeckungen!
Noch keine drei Stunden bin ich auf Java und schon hüllt einen der Glanz der alten Kultur ein! So weich und umfassend wie der Nelkengeruch der „königlichen“ Kretek-Zigaretten. Eine Art Requisitenkammer der eigenen Geschichte ist Surakarta, die stille Stadt. Sie war ab 1680, als Zentraljavas Thron ins Tal des Solo River verlegt wurde, Sitz des Königs – und außerdem das Zentrum der Batikindustrie, wie die hoch gestapelten Stoffbündel in der Markthalle des Pasar Klewer beweisen. Und es ist der Geheimtipp für Schatzsucher, die früher oder später auf dem lokalen Antikmarkt Pasar Triwindu landen werden. Jetzt Java Video-Clips ansehen!
Das Art-déco-Juwel des zufällig entdeckten Hotels „Roemahkoe“ mit bunten Glasfenstern und eleganten Teakmöbeln wäre ein erstes Indiz. Die liebevoll vor der Dusche drapierten Batikhausschuhe, das leise Huschen der Bediensteten in ihren knöchellangen, atemberaubend gemusterten Wickelröcken. Das sind alles Gucklöcher in die seidige Schönheit des alten Java, ebenso wie die spitzkegeligen Schatten der mit Bambushüten aufgemotzten Becak-Fahrer, die unter den Banyanbäumen des Palastviertels ihr Nickerchen machen.
Mit der Hektik des hauptstädtischen Molochs Jakarta hat Surakarta, das heute einfach nur noch Solo City genannt wird, nicht viel gemein. Schläfer, so ätzt man auf Java, seien die Leute hier. Verträumt und höflich und leider etwas langsam. Aber auch überaus sanft. Das stimmt durchaus und die Vorteile liegen auf der Hand. Langsamer als in anderen Städten des Archipels haben sich hier auch die Planierraupen und Baukräne bewegt. Haben Raum gelassen zwischen den Kulissen der Paläste und Basare und Zeit für die kleinen Szenen eines entspannten Alltags. Das spontane Ballett der muslimischen Schulmädchen, die im lauschigen Vorhof der Agung-Moschee mit Seifenblasen tanzen, ist so ein Moment. Das Ballern der Nachwuchskicker auf wackelige Bambustore vor den verwaisten Garnisonsgebäuden der niederländischen Kolonialherren ein anderer.
Erhalten hat sich auch das Inventar der Geschichte. Wer die silbernen Keuschheitsgürtel und königlichen Barkassen des Susuhunan – des Herrschers – sucht, findet diese in Solo City in zwei Palästen. Im Kraton, über dessen Empfangspavillon eine Art himmlisches Ungeheuer wacht, und im Pura Mangkunegaran mit Javas größtem Pavillon. Dessen Decke hält ohne einen einzigen Nagel und die leuchtenden Farben verweisen, übrigens in erstaunlicher Übereinstimmung mit den Erkenntnissen der modernen Farbtherapie, auf eine tief verwurzelte Mystik.
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