
Thomas Schmidt
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Newgrange: Das irische Grabmal ist ein Kalender von kosmischen Ausmaßen. Das beweist die Reise nach Drogheda südlich von Dublin.
Ein magisches Spekulationsobjekt für esoterische Spinner heißt Newgrange. Es kommt einem so vor, als würden diese durch die bloße Existenz des megalithischen Hügelgrabs irgendwie gebannt auf die Rückkehr eines keltischen Druiden warten, der aus dem Nebel von Drogheda tritt. Das verehrte Nockerl thront dort am Fluss Boyne rund 40 Kilometer nördlich von Dublin auf einem flachen Bergrücken und ist mehr als eine Ansammlung überdimensionierter Steine – es ist das größte Ganggrab Irlands und eines der rätselhaftesten Gebäude des gesamten Neolithikums (Jungsteinzeit).
Die eifrig vorgetragenen Einschätzungen darüber, wer oder was das jungsteinzeitliche Hünengrab eigentlich gewesen sein soll, driften schon bei der zeitlichen Einordnung auseinander. Da wird kräftig in die prähistorische Wundertüte gelangt und Jahreszahlen werden hervorgezaubert, die wirklich fantastisch sind: Da tauchen manchmal so gespenstische Peilungen auf, nach denen das Grabmal um 5000 vor Christus aufgeschichtet worden sein soll. Stichhaltige Beweise für diese Datierung gibt es natürlich keine, denn die neolithische Revolution, also der Übergang von der Jäger- und Sammlerkultur zu einem Dasein als sesshafte Bauern, krempelte Irland erst zwischen 3700 bis 3200 vor Christus um. Die Hochblüte der Megalithkultur, was übersetzt so viel wie Großsteinkultur bedeutet, fand wahrscheinlich so um das Jahr 3100 statt. Es ist sowieso schon ein kommunikatives Wunder, dass Leute, die ihren Faustkeil noch nicht lange weggelegt hatten, etwa 500 Jahre vor dem Bau der ersten ägyptischen Pyramide ein solches Grab errichten konnten.
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