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Das Kurvenwunder
Lido Palace – Design-Palazzo am Gardasee Seestörung
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Der See der Seen Italiens? Keine Frage: der Lago di Garda! Kaum zu sagen, welches Ufer die schönsten Ecken hat. Wir begeben uns auf Spurensuche.
Es ist wie immer zu Pfingsten. Nichts geht mehr auf der Orientale. Totaler Stillstand von der Punta San Vigilio bis weit hinter Garda. Lastwagen drängen sich auf der schmalen Uferstraße an bis unters Dach vollgestopfte Familienkutschen und die wiederum an holländische Wohnwagen und schicke Cabrios mit Münchner Kennzeichen. Dazwischen ein paar Oldtimer. Mille Miglia ist natürlich auch noch. Da geht’s erst recht zu auf der Ostseite des Gardasees. Es wird gehupt, geflucht und – gewartet. Sekunden. Minuten. Stunden. Und mittendrin: WIR. Mit der wahrscheinlich einzigen „bella macchina“ ganz Italiens ohne Klimaanlage, und das bei Temperaturen um die 30 Grad. Da hilft auch der Traum-Ausblick auf den dunkelblau leuchtenden See nichts mehr.
Nach gestoppten 96 Minuten offenbart sich endlich die Ursache der Verzögerung. Kein schwerer Unfall oder gar eine Straßensperre, sondern ein lächerliches, nicht mehr als einen Quadratmeter großes Loch im Asphalt, von einem einzigen Bauarbeiter stolz bewacht. Im Zeitlupentempo winkt er die passierenden Wagen durch. Irgendwann glücklicherweise auch uns, inzwischen gar gekocht. Sei’s drum: Wer den Lago liebt, der schiebt – sich auch gern mal durch die Staus zwischen Torbole und Peschiera.
Ähnliches Szenario nicht weit entfernt in Bardolino. Die Bars auf der sauber geleckten, breiten weißen Marmorpromenade und die verwinkelten Gassen sind proppevoll. Vor den bunten Souvenir-, Schuh-, Modegeschäften drängen sich die Kauflustigen. In den Feinkostshops reiben sich Verkäufer die Hände, dass die vom Gardasee beglitzerten Touristen für ein 100-Gramm-Tütchen „Gewürzmischung Arrabiata“ acht Euro hinzulegen bereit sind. Und vor der schicken Eisdiele „Cristallo“ hat sich eine gut zehn Meter lange Schlange gebildet, in die sich außer Kindern, Eltern und anderen Gelati-Connaisseuren auch ein schnatterndes Entenpärchen gereiht hat.
Doch der Rummel versiegt abrupt, schließt man einfach nur die schwere Eichentür der kleinen romanischen Kirche San Severo aus dem 8. Jahrhundert hinter sich und genießt für ein paar Minuten die kühle Stille. Ebenso erholsam: ein Besuch im schnuckeligen Bad Lido Mirabello am Ende der Hafenpromenade. Wo die Liegen ab 14 Uhr nur noch die Hälfte kosten und man unterm rot-gelb gestreiften Sonnendach direkt am Seeufer einen gepflegten Dolcefarniente-Nachmittag verbringen kann.
Oder man schaut auf eine kleine Weinprobe bei Signor Valentino von „Costa d’Oro“ im hügeligen Hinterland vorbei, etwa drei Autominuten vom Zentrum entfernt. Der Winzer, meist in abgewetzten Jeans und mit Kappe unterwegs, hat schon unzählige Auszeichnungen für sein Olivenöl und seinen Bardolino Classico erhalten. Zu Recht: Denn mit der dünnen Einheitsplörre der großen Güter der Region hat sein rubinroter, vollmundig-samtiger, kräftig nach Kirschen und Schokolade duftender und ebenso schmeckender Superiore nichts zu tun. Er erzählt uns: „Dafür mache ich auch immer noch alles selbst. Anbau, Kelterei, Verkauf.“ Nebenbei betreibt er ein Grillrestaurant und ein Agriturismo mitten in den stillen Weinbergen.
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