
Autor:
Robert Haidinger
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InsiderTipps
Die letzte "unentdeckte" Stadt Europas umgibt sich gern mit dem Schleier des Geheimnisvollen. Sicher ist, dass sie eine der größten erhaltenen mittelalterlichen Altstädte Europas besitzt.
Ein erster Regentropfen klatscht auf den heißen Pflasterstein. Ein zweiter verdünnt das funkelnde Gläschen Cuvée Vignamare am luftigen Enoteca-Tischchen - natürlich ganz und gar ungebeten. Auch die 314 Jahre alte Rosenkranz-Madonna am Gässchen Vico del Rosario kriegt ihre Dosis vom unerwarteten Mittelmeertief ab. Triefnass hängt die Statuette am Mauerwerk, eine von ursprünglich 900 Steinskulpturen, die an den maroden Häuserecken des Centro Storico über den Lauf der Jahrhunderte wachen - und vielleicht auch über die Langfinger vom Nachbarviertel. Zumindest symbolisch und mit verhaltenem Schmerz im nach innen gewendeten Blick. Die Regentränen rollen der braven Maria Rosario wundersam übers religiös verzückte Gesicht und sonderbar beseelt wirkt auch der Rest der engen, schon bei Schönwetter beunruhigend düsteren Altstadtgasse.
Darauf war man vorbereitet: auf ein Genua, ein unbekanntes steinernes Labyrinth am weichen Überwurf des Stiefels. Auf Europas letzte "unentdeckte" Stadt, eingesponnen in der eigenen, goldenen Historie der Übermacht und später im Teufelskreis aus Armut, Arbeitslosigkeit, illegaler Zuwanderung und Kriminalität. Denn auch dieser Ruf eilt der roten Riviera-Kommune voraus: Ins Eingeweide des Molochs komme vor allem, wer seinen Lieblingshehler konsultiert - so lautete ein norditalienisches Gerücht. Und es hielt sich hartnäckig. So wie das billige Parfum der Huren und die rotzigen Töne der Fischhändler an der Via di Pre. So wie die immer schon etwas räudigeren Katzen neben den Mülltonnen und die immer schon etwas unrasierteren Typen neben den Heiligennischen.
Doch noch etwas hielt sich im Herzen der größten mittelalterlichen Altstadt Europas: der sonderbare Schulterschluss, den Alt-Genuas armselige Häuser mit ihren Stützbalken aus Holz und den ausgetretenen Treppenstufen aus grauem Schiefer üben, wenn sie sich im ewigen Dämmerlicht der hohen, handtuchbreiten Gassen gegen den Marmor der prächtigen Palazzi lehnen. Das Labyrinth der einzigen erhaltenen Altstadt aus dem 12. Jahrhundert entpuppt sich als Freilichtmuseum ohne spröde Musealität. Dazu ist Genuas jüngere Generation, deren Vorfahren als Geizhälse und Dauernörgler galten, doch eine Nummer zu italienisch geraten. Gitarrentöne hallen durch die Gassen. Studentisch geprägte Viertel wie jenes um die Piazza delle Erbe locken längst schon mehr Nachteulen als Straßenköter an.
Dass schicke Designerlokale neuerdings giftgrün oder knallorange illuminierte Nischen ins Altstadtleben schlagen, soll dabei nicht weiter stören. Dichtes, wimmelndes Leben stand zwischen den immer wieder aufgestockten Hochhäusern ohnehin stets hoch im Kurs. So verwandeln sich die Treppenfluchten versteckter kleiner Kirchen, wie von San Matteo, in beliebte Sitzreihen und die unerwartet hinter Häuserecken auftauchenden Mini-Piazzettas zu erweiterten Barzonen. Manche der Straßen verströmen dabei pure Poesie: die Canneto il Lungo mit der schönsten Jugendstil-Barbierstube Italiens und den alten Metzgereien der Moslems. Das Antiquitätenviertel um die Piazza Soziglia. Bloße Luxussanierungen blieben Alt-Genua bislang zum Glück erspart.
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Josef Mayr (nicht überprüft) sagte vor 2 Jahre 32 Wochen:
Sehr guter Reisebericht! Viele Tipps und Fotos zu Genua findet man übrigens auch bei http://www.insidertipps-italien.com
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