
Autor:
Stefanie Sonnentag
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Es gibt ein Leben jenseits von Rom, Toskana und Amalfitana. Der Süden ist Italiens neues Trendziel: authentisch, anregend und noch nicht überlaufen.
Die Sache ist ganz einfach. Semplicissimo sozusagen. Wir fahren von Cirella schnell hoch nach Maierà, einem kleinen Nest auf einem der Hügel im Hinterland von Diamante, und sagen, dass wir zum Bürgermeister wollen, weil wir mit seinem Sohn sprechen müssen. Doch der Bürgermeister macht an diesem Sonntagvormittag nicht auf und sein Sohn geht nicht ans Handy. Wir kommen trotzdem rasch ans Ziel, schließlich kommen wir auf Empfehlung von Don Giovanni. Der Wirt der kleinen Trattoria unten in Cirella scheint einflussreich zu sein. Gute Bekanntschaften und die richtigen Freunde sind das A und O eines jeden Vorhabens im Herzen des Mezzogiorno, in Kalabrien.
Nach zehn Tagen Rundreise interessiert uns brennend, warum die Kalabresen im Gegensatz zu allen anderen Italienern jede Nudelsoße, jedes Gemüse und jedes Stück Fleisch so scharf würzen, dass es einem bei jedem Gericht die Tränen in die Augen treibt. Eine Erklärung dafür hatte auch Giovanni gestern Abend nicht. Sicher sei nur, dass er ohne Peperoncini nicht überleben könnte. Selbst eine herzhafte Hühnerbrühe schmecke nicht ohne. Löffelweise brät er das rote Teufelszeug zusammen mit Knoblauch in Öl als Grundlage für jedes Gericht an. "Bei mir zu Hause würdet ihr keinen Bissen runterkriegen!", hatte er grinsend verraten. Was für ein Glück, dass er für seine Gäste die Peperoncini-Dose nur auf ausdrücklichen Wunsch aufmacht.
Von Giovanni wissen wir, dass es in Maierà das einzige Peperoncini-Museum der Welt gibt. Und den Schlüssel dazu verwaltet der Sohn des Bürgermeisters. "Ihr seid also Freunde von Giovà?", vergewissert sich Ciro, der Besitzer der einzigen Bar in der knapp 1.000 Seelen zählenden Gemeinde. Dort kennt jeder jeden. Ciro schaut wie viele andere Kalabresen auch unter buschig zusammengewachsenen Augenbrauen à la Theo Waigel hervor. Schnell presst er noch einen Caffè für seinen Kunden an der Theke. Und dann, nach ein paar kurzen Telefonaten, erreicht er Diego Granata. Diego hat den Ersatzschlüssel.
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