
Autor:
Frank Heuer
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Europas schönste Küstenstraße schlängelt sich mal malerisch, mal verwegen an der steilen Amalfi-Küste entlang. Südöstlich von Neapel warten spektakuläre Ausblicke hinter jeder Kurve. Unser Reporter Frank Heuer befuhr für diesen Bericht die Amalfitana stilgerecht im Schwingsattel einer Oldtimer-Vespa 125 aus dem Jahr 1954.
Zugegeben: Spartanisch ist die Ausstattung meiner Ur-Vespa schon. Den Tacho sucht man vergebens. Die unscheinbare Drei-Gang-Schaltung verbirgt sich im linken Lenkergriff.
Rechts ist neben dem Bremshebel nur ein Bordinstrument. Ein grauer Druckknopf. Es ist die Hupe. „Du musst nach Gehör schalten“, hatte man mir eingeschärft. Denn die Wespe kann auch Zicke sein, zumal bei der Suche nach dem ersten Gang. Zwar bewegt sich mit gezogener Kupplung die gestanzte Kerbe des Schalthebels in Richtung der Markierung 1. Was aber nicht bedeutet, dass das fünf PS starke Gefährt schon abfahrbereit wäre. Weiterdrehen mit roher Gewalt würde die Mechanik wohl ruinieren.
Was hilft, ist sanftes Hin- und Herschaukeln, bis metallisches Klacken meldet, dass die Getriebezahnräder ineinandergerastet sind. Setzt sich die Signora dann fauchend in Bewegung, ist das Fahrgefühl allerdings von unvergleichlicher Grandezza. Mit jugendlicher Leichtigkeit schwingt sich die alte Dame würdevoll von einer Kurve in die nächste.
Beflügelt vom heiteren Knattern ihrer Stimme schwebe ich vergnügt die von Olivenhainen gesäumte Serpentinenstraße hinauf, die von unserem Hotel an der Spitze der Halbinsel von Sorrent nach Massa Lubrense führt. Milde Oktoberluft streicht durch die Haare, die vom minimalistischen Halbschalenhelm kaum bedeckt sind. Der Morgen duftet nach Meer und Pinie. Ein entgegenkommender Lastwagenfahrer winkt begeistert hupend zum Gruß.
Hinter San Pietro beginnt die eigentliche Amalfitana. Und sie entfaltet dort sogleich ihre ganze dramatische Schönheit. Links erhebt sich steil das Massiv der Lattari-Berge, rechts unten leuchtet tiefblau der Golf von Salerno. Die folgenden 40 Kilometer schneidet sich die SS 163 alias Amalfitana durch oft senkrechte Felswände, schlängelt sich auf waghalsigen Viadukten über Schluchten und führt an verwunschen schönen Dörfern vorbei.
Genießerisch zirkeln wir mit unseren Roller-Raritäten über die makellose Traumstraße, dass es eine wahre Wonne ist. Kurven mit für die Vespa maßgeschneiderten Radien gibt es zwischen hier und dem Dom von Amalfi mehr als genug. In einer Kehre hoch über Positano, einem der spektakulärsten Küstenorte, steigen wir wieder einmal aus dem Schwingsattel.
Vor dem Bau der Amalfitana-Straße 1840 war Positano nur über enge Maultierpfade oder vom Meer aus zu erreichen. Wie in einem kubistischen Gemälde wachsen die pastellfarbenen Häuschen zu beiden Seiten der Bucht den steilen Hang hinauf. Darüber türmen sich mächtige Felszinnen. Im Zentrum des Ensembles thront, wie der Nabel dieses Mikrokosmos, die grüngelbe Kuppel der Chiesa di Santa Maria Assunta.
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