
Autor:
Dietmar Denger
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Diese Stadt ist mehr als ein Zwischenstopp nach Capri. Sie verzaubert jeden, der sich Zeit nimmt, auch den Autoren dieses Reiseberichts: mit der Würde ihrer Geschichte und dem Charme ihrer Lebendigkeit.
Das Tor zum weiten Himmel über dem Meer hat den grünen Punkt. Beim Blick auf den Golf von Neapel sorgt er dafür, dass sich niemand am Panoramafenster im "Bellevue Syrene" stößt. "Viele Gäste sind schon mit dem Kopf gegen die Scheibe geknallt, weil sie die in ihrer Euphorie nicht bemerkt haben". Portier Carmine Berton lächelt mild. Besonders häufig muss das wohl im Frühling passiert sein, wie jetzt, wenn man fast irr wird vom schweren Duft der Millionen Blüten und von einer warmen Luft, die dieses zuckersüße Postkarten-Idyll umfließt.
Wie ein riesiger Teppich, gewebt aus Kirchen, herrschaftlichen Häusern und Hotelpalästen, scheint die Stadt auf den 60 Meter hohen Tuffsteinklippen ausgebreitet zu sein. Und so dürfte sich das Tagesprogramm der Besucher seit Jahrhunderten gleichen: Auf einer der Promenaden und Terrassen stehen, tief einatmen, schauen, immer wieder, riechen, schmecken, den frischen Wind auf der Haut. Einen Caffè zwischendurch. Süden spüren. Könnte so ein Frühlingsmorgen in Sorrent doch Tage dauern!
Ähnlich muss es wohl den ersten Besuchern der Gegend ergangen sein. Die griechischen Seefahrer glaubten, an der Punta Campanella, an der äußersten Spitze der Halbinsel, die Gesänge der Sirenen zu hören, wurden wahnsinnig und ihre Schiffe zerschellten an den Klippen. Berichten die Mythen. Später - aus dem griechischen Sireon wurde Surrentum - bauten sich die Römer ihre Villen auf den Klippen.
Spanier waren ebenso fasziniert wie Engländer, die im 18. und 19. Jahrhundert die Stadt für sich entdeckten. Die Amalfitana und Sorrent wurden zum Muss-Ziel der Grand Tour, der aristokratischen Bildungsreise, und zogen die großen Namen an: Friedrich Nietzsche, Charles Dickens, Henrik Ibsen, Walter Scott, Johann Wolfgang von Goethe sowieso.
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