Unerträgliche Hitze. Nur 60 Stunden Aufenthaltsdauer. Und doch kann man in der kurzen Zeit jede Menge kleiner Geheimnisse abseits der touristischen Trampelpfade durch Rom entdecken. Unerlässlich: literweise Wasser und ein guter Fremdenführer. Ein emotionaler Reisebericht aus Italiens Hauptstadt.
Es ist heiß, glühend heiß. Eine schwüle Dunstglocke hängt über der Stadt. Die prächtigen Säulen, Torbögen und Tempel ringsum spiegeln sich in der flirrenden Luft. Mit gefühlten 45, realen 37 Grad Celsius brennt die Sonne so gnadenlos, dass sie sogar den Asphalt unter den Füßen aufweicht. Zwei deutliche Sneakers-Abdrücke auf der Verkehrsinsel gegenüber vom Caesar-Forum dokumentieren es: Wir haben deutlich sichtbare Spuren in der Ewigen Stadt hinterlassen.
Dieser "Für immer"-Anspruch Roms ist wohl auch der Grund dafür, dass es Paris, zumindest bei den trendorientierten Liebenden dieser Welt, längst den Rang abgelaufen hat. Nehmen wir zum Beispiel die Ponte Milvio im Norden der Stadt: Dort ist es mittlerweile hip, seine Gefühle offen zur Schau zu stellen und für die Nachwelt zu fixieren. Genau wie in der kürzlich erschienenen Lovestory "Ho voglio di te", was so viel bedeutet wie "Ich habe Lust auf dich". Jeder Römer, der etwas auf sich und die Angebetete hält, bringt - wie die Protagonisten des Romans - am dritten Laternenpfahl der Brücke eine dicke Kette mit einem Schloss an. Darin eingraviert: die Namen der Beteiligten. Der Schlüssel wird dann in den Tiber geworfen. Und so hängen mittlerweile schon über 100 Panzerketten am Mast. Der perfekte Platz für aktiv gelebte Amore? Roma!
Das dachte auch SIE sich und schenkte IHM zum Geburtstag zwei Flüge in die Ewige Stadt. Selbstverständlich nicht uneigennützig, handelt es sich bei IHM zufälligerweise um einen Rom-Kenner erster Güte - und damit um einen Gratisfremdenführer. Wie praktisch! Dass das in der Konsequenz dann nicht, wie von IHR geplant, Händchenhalten an der Hadriansvilla und Knutschen auf dem Campidoglio bedeutete, sondern Kreuz-und-quer-Rasen und Staunen und Gucken von einer in die andere Ecke der Stadt, war zu diesem Zeitpunkt noch unklar.
Doch wer nur knappe zweieinhalb Tage Zeit für Rom hat, muss sich ranhalten, um nicht nur die Highlights zu Gesicht zu bekommen, sondern auch das eine oder andere Geheimnis zu lüften. Ein kleines Mysterium offenbart sich schon am ersten Morgen. Sightseeing-Marathon auf dem Kapitolshügel, wo der Triumphzug der siegreichen Feldherren über die Via Sacra endete. Vorbei an der prächtigen Reiterstatue von Kaiser Marc Aurel, dann stoppt der Morgenspaziergang an dem Rom-Sinnbild schlechthin: der Replik der Lupa Capitolina in Bronze mit den Stadtgründern Romulus und Remus. Dass die Wölfin knappe 2.000 Jahre älter ist als ihre beiden Ziehsöhne, die erst im 15. Jahrhundert hinzugefügt wurden, sieht man der rüstigen Dame erst auf den zweiten Blick an.
Ein paar schwere Beleidigungen fürs Auge bleiben einem trotz der antiken Pracht nicht erspart: Schließlich ist Hochsaison, auch für die Souvenirverkäufer mit ihren Milliarden Mini-Colosseen, Papst-Tassen und AS-Rom-Trikots. Circa 300 verschiedene Reisegruppen sind zwischen Concordia-Tempel, Titus-Bogen, Basilica Julia und Phokas-Säule auf dem Forum Romanum versammelt. Styling: das komplette Gegenteil von Alta Moda. Leider sind die Skandalsandalen mit den weißen Socken an den noch weißeren Beinen immer noch nicht ausgestorben. Immer vorneweg: eine schnatternde Führerin mit Fähnchen und Mikrofon, die brüllend versucht, die über 2.800-jährige Geschichte der Stadt in zwei oder drei Stunden zu quetschen. Und das in Englisch, Russisch, Chinesisch, Portugiesisch, Schwedisch und in circa weiteren 40 Sprachen, die sich selbst von promovierten Linguisten nicht auf Anhieb identifizieren lassen.
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Reisebericht Rom
Rom
mosaik (nicht überprüft) sagte vor 1 Jahr 20 Wochen:
Ja, ja, Rom ist schon eine faszinierende und eigenwillige Stadt. Und das nun doch schon bald 3000 Jahre. Und wenn dann noch eine hübsche Journalistin das Thema "60 Stunden Rom" doch durchaus ansprechend aufarbeitet und - eigentlich - Gusto macht auf "Rom bei 40 Grad" , dann muss ich mich hier schon schreiberisch zu Wort melden!
Ich finde nämlich auch, dass Rom zu jeder Jahreszeit und für jede Länge eines Aufenthalts etwas zu bieten hat. Meine zweite Reiseleitung führte mich im Hochsommer 1982, im August, zu Ferragosto mit einer Gruppe Salzburger Feuerwehrmänner in diese Stadt. Ich - das erste Mal meines Lebens in Rom, das zweite Mal 40 Menschen hinter mir, die Rom erleben wollten. Rom, das war im August ausgestorben, heiß, wir konnten in 20 Minuten mit dem Bus quer durch Rom fahren. Aber es waren die Erlebnisse, die mir diese Reiseleitung wohl unvergesslich bleiben lässt:
... jene Deutsche, die in Rom lebte, allein, und Reiseführungen machte. Wir haben herausgefunden, warum sie allein lebte. Wir haben sie nach einem halben Tag "ausgetauscht". Meinte sie doch im Baptisterium von San Giovanni in Laterano nach einer mehr als einstündigen Belehrung der mit dem Nachtzug müde drein blickenden Feuerwehrler: "Ich weiß, Sie interessiert das nicht, aber MICH!".
Es folgte ein Abendessen mit Spezialitäten aus der Region Frascati: verbrannte Hähnchen! Doch ich, jung, rettete die Situation, indem ich einem Carabinieri auf die Schulter sprang (... unwissend, dass ich dafür euch heute aus einem italienischen Staatsgefängnis dies berichten hätte können...) und dabei italienische Lieder sang, oder zumindest versuchte, sie zu singen.
Und alles klang harmonisch in jener August-Nacht in den Hügeln um Frascati mit einer - neuen - Reiseleiterin aus, die Liebenskummer hatte und den Abend lang heulte, einem Busfahrer, der mangels Verkehr mit gut 90 Sachen nach und durch Rom brauste, mit Einblicke in kleine FIAT's, deren Scheiben mit Zeitungspapier verklebt waren und verdächtig schaukelten, und als Krönung des Abends, pardon, der Nacht: jene weinende Reiseleitung wollte noch zwei Stunden zusätzlich bezahlt bekommen, weil wir doch erst um 1 Uhr in der Nacht beim Hotel waren.
Auch der Abschluss dieser herrlichen Rom-Reise, die ich eine Woche später mit dem zweiten Teil der Feuerwehrmannschaft dann schon als "alter Hase" wiederholte: in Florenz klaute einer der Teilnehmer während der Abfahrt aus dem Bahnhof einem dort am Bahnsteig stehenden Schaffner sein Kapperl! Und ging daraufhin durch den Zug, Fahrkarten kontrollieren.
Ja, ja, Rom ist schon eine faszinierende Stadt, meine liebe Jessica, meint sehnsüchtelnd
Peter
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