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Er gibt sich gern illuster und gilt als Vorbote des Mittelmeers. Jede Silbe seines Namens atmet Dolce Vita – Lago Maggiore. Und er ist nach dem Gardasee der zweitgrößte der oberitalienischen Seen, sein nördlichster Zipfel gehört allerdings noch zum Schweizerischen Tessin. Der kleine Nachbar Orta-See wiederum besitzt viel romantisches Flair.
Wir erreichen die Borromäische Bucht. Majestätisch liegt das Schiff im Wasser. Sein Heck gleicht einem Palast, das Heck verjüngt sich in Terrassen. Nur so recht Fahrt aufnehmen will der Klipper nicht. Weil er vielleicht gar keine Takelage besitzt? Oder weil er aus Fels und Stein gemauert ist … Anfang des 17. Jahrhunderts begannen die Bauarbeiten, die aus einer Felseninsel eine Märcheninsel modellierten: Isola Bella – magisch schimmernde Perle des Lago Maggiore. Fischerhäuser mussten weichen, als Erde für die Gartenanlagen auf das Eiland gebracht wurden. Sie sollte die Gestalt eines prunkvollen Schiffs annehmen und so Werbung für eine einzige Familie machen: die Borromeo. Seit dem 15. Jahrhundert residiert dieser Clan am See, mit vielen italienischen Adelshäusern verwandt. Jüngster Heirats-Coup: die Verbandelung mit der Agnelli-Dynastie.
Die besten Ausgangshäfen für einen Inseltrip sind die Städte Stresa, einst Treffpunkt der Bohème, und Verbania. Außer der Isola Bella kann man noch die Isola dei Pescatori mit ihren Ristoranti besuchen – mein Tipp: das gemütliche Lokal „Italia“ (Besitzer Paolo Ruffoni ist selbst Fischer) – und die Isola Madre mit Palast und botanischem Garten.
Im Aufgang des Barockpalasts, dem „Heck“ der Isola Bella, tastet mein Finger über Buchstaben, die ins Geländer eingeritzt sind: „1673 SMA“ – Datum und Initialen eines Steinmetzes. Im Innern dann der standesgemäße „Kessel Buntes“: Möbel, Gemälde, Wandteppiche, Skulpturen und und … Meine Favoriten sind die Sammlung alter Commedia-dell’Arte-Marionetten und die auf dem Bauch liegende Marmor-Venus ... Mitunter lugt durch ein offenes Fenster der See herein, begleitet von einer erfrischenden Brise, fällt der Blick auf das dunkle Grün der bewaldeten Ufer nach draußen.
Großartig die barocke Komposition des „Bugs“ alias Gartens: Zehn Terrassen greifen ineinander über, jeweils umrahmt von Steinbalustraden, auf denen Statuen stehen. Wir schlendern vorbei an exotischen Gewächsen wie der Quillaja Saponaria, einem Baum aus Chile, aus dessen Rinde Seife gewonnen werden kann, oder einem Kampferbaum, der 1819 gepflanzt wurde. Gellende Schreie kommentieren meine Notizen, ausgestoßen von weißen Pfauen, die Räder schlagen oder faul in der Sonne dösen. Und über allem thront stolz an höchster Stelle ein steinernes Einhorn: das Symbol der Borromeo.
Als wir die Insel verlassen und mit dem Boot nach Stresa schaukeln, werfe ich einen Blick zurück. Der See glitzert in der Abendsonne, sie taucht die Landschaft in ein warmes, weiches Licht. Plötzlich scheint mir, als würde sich das Einhorn aufbäumen und die Figuren auf den Balustraden sich bewegen. Tatsächlich, jetzt tanzen sie, werfen die Arme in die Luft. Endlich in Ruhe gelassen von den zahllosen Besuchern, feiert die Insel sich selbst. Wir sagen der Schönen Arrivederci und Buongiorno dem Orta-See, letzter Kandidat auf unserem Giro dei Laghi.
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