
Autor:
Dietmar Denger
InsiderTipps
Einmal auf einem 4.000er stehen – das muss kein Privileg für Profis sein. Auch durchschnittliche Wanderer können sich diesen Traum erfüllen. Z. B. mit der geführten Besteigung des 4.220 Metern hohen, aber technisch einfachen Castor. Der Reisebericht unseres Autors beweist es.
Kurz unterm Dach der Alpen ist schon der Gang zum Toilettenhäuschen ein Highlight. Im Halbschlaf stolpere ich aus der Sella-Hütte über spiegelglattes Eis hinaus in die Dunkelheit. Ich glaube, ich träume: Drei Kilometer tiefer, 80 Kilometer entfernt, liegt Mailand vor mir wie ein funkelndes Raumschiff. So klar und hell und nah wirkt die Riesenstadt, als könne man zum Aufwärmen noch schnell auf einen Caffè zur Piazza del Duomo.
Nix da, eisiger Wind von den im Mondlicht fahlen Eiswänden der Monte-Rosa-Gruppe treibt mich schnell zurück in den Schlafsack. Für ein paar Stunden unruhigen Dämmerschlaf. Von den zugigen Waschräumen einmal abgesehen ist die Capanna Quintino Sella auf 3.585 Meter Höhe ein recht gemütliches Basislager auf einem schmalen Felsband, das weit in die Gletscherwelt der Walliser Alpen hineinreicht. Schön vor allem, dass es beim freundlichen Hüttenwirt auch Aspirin zu kaufen gibt. Denn der frühe Morgen tut weh.
Ich reibe mit den Fingern die Eisblumen vom Fenster. Weit draußen hinter den Felsen spitzt das Matterhorn blutrot hervor, während mir der Schädel dröhnt. „Trinken“, hatte ich Monique beschworen, „viel trinken ist das Wichtigste in den Bergen, sonst kommen die Kopfschmerzen.“ Da schien Fürsorge angebracht.
Leider hatte ich es gestern wohl selbst nicht so genau genommen mit dem Wasser. Bergführer Poldo bringt Tee, ich würge mir widerwillig einen Keks rein. Monique dagegen ist putzmunter und ringt vor der Tür schon mit den Steigeisen. Nur die eiskalte, klare Luft hält mich kurz vor dem Gipfelgang davon ab, mich zu übergeben.
Nach ein paar Schritten geht es mir besser. Bei dieser Szenerie kein Wunder: Wie glitzernde Diamanten fegen Eiskristalle im Sonnenlicht den flachen Gletscher herab. Darüber die breiten Zwillings-Gipfel von Castor und Pollux. Rechts davon bilden die Eiswände von Liskamm und Dufourspitze ein gigantisches weißes Rund.
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gerd wuzer (nicht überprüft) sagte vor 1 Jahr 8 Wochen:
schöner bericht mit einzigartigen bildern. bin nächste woche in gressoney und werde mit einer gruppe eine skitour hoch machen.hoffentlich haben wir auch so schönes wetter. danke für eueren bericht.
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