
Autor:
Karin Bernhart
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Von Schloss Juval bis zur Etschquelle am Reschenpass warten auf passionierte Wanderer insgesamt 108 Kilometer Gehvergnügen am Sonnenberg. 5.657 Höhenmeter Aufstieg und 4.644 Höhenmeter Abstieg inklusive – so viel steckt in unserem Reisebericht!
Von Schloss Juval bis zur Etschquelle am Reschenpass warten auf passionierte Wanderer insgesamt 108 Kilometer Gehvergnügen am Sonnenberg. 5.657 Höhenmeter Aufstieg und 4.644 Höhenmeter Abstieg inklusive.
Der Vinschgau ist in vielerlei Weise eine besondere Landschaft. Zum einen ist das rund 80 Kilometer lange Tal zwischen Reschenpass und Meran eines der wenigen Alpentäler, das exakt in ost-westlicher Richtung verläuft. Dadurch ergeben sich zwei Talseiten, die gegensätzlicher kaum sein können. Auf der südlichen Seite liegt der nach Norden blickende, bewaldete, dunkle und im Winter recht schattige Nörderberg. Sein Gegenüber, der Sonnenberg, ist heiß, karg und mitunter fast steppenartig.
Auf dieser sonnigen Talseite befindet sich der Vinschger Höhenweg. Und wer hier wandert, ist deshalb nicht nur bildlich gesprochen immer auf der Seite der Sonne. Denn die scheint beinah ununterbrochen im Vinschgau, das Tal zählt zu den trockensten der Westalpen. Die durchschnittlichen Niederschlagsmengen entsprechen in etwa jenen von Sizilien. Das zwingt zwar Bauern seit je dazu, sich in Bezug auf künstliche Bewässerung allerhand einfallen zu lassen, garantiert Wanderern aber fast immer ideale Bedingungen.
Diese sogenannten Waale, die seit Jahrhunderten das Wasser von den fernen Gletschern bis in die Felder führen, durchziehen den Sonnenberg hoch über dem Tal. Entlang den Waalen führt auch ein Teil des Vinschger Höhenwegs. „Neu“ ist in diesem Zusammenhang also nicht allzu wörtlich zu nehmen. Vielmehr ist der neue Vinschger Höhenweg ein Zusammenschluss von bestehenden, teils uralten Fuß- und Versorgungspfaden sowie Verbindungsrouten zwischen Bergbauernhöfen. Nur einige fehlende Teilstücke, insgesamt rund acht Kilometer, wurden vollständig neu angelegt. Dann hat man die gesamte Wegstrecke vermessen und einheitlich beschildert.
Wir haben sechs Tagesetappen eingeplant und wollen es langsam angehen lassen. Hoch über Naturns thront Reinhold Messners Schloss, das er mit seiner Familie im Juli und August bewohnt. Abgesehen von dieser Zeit ist das eindrucksvolle Gebäude von Ostern bis Allerheiligen für Besucher geöffnet und auch wir wollen uns eine Führung durch Expeditionskeller, Rittersaal, Turm und Schlosshof nicht entgehen lassen. Der Shuttlebus hinauf zur Festung startet direkt vor dem Vinschger Bauernladen an der Hauptstraße. Was wir bei der Rückkehr keinesfalls vergessen werden: vor der Heimfahrt im Bauernladen einkaufen! Das Angebot an authentischen Produkten wie Speck, Brot, Käse und Wein ist einfach zu verlockend.
Nach der Kultur (Schlossführung) soll auch die Kulinarik („Schlosswirt“) nicht zu kurz kommen. Der urige Gasthof unterhalb von Juval gehört ebenso zu Messners Alpin-Imperium wie der Weinhof Unterortl, dessen prämierten Riesling wir uns zu Tagliatelle mit Lammragout schmecken lassen.
Keine Sorge, im weiteren Wegverlauf steht die sportliche Herausforderung eindeutig vor der Versuchung. Möglichkeiten zur Einkehr gibt es direkt am Vinschger Höhenweg kaum. Deshalb sollte, wer am Sonnenberg wandert, immer genug zum Essen und vor allem zum Trinken einpacken!
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