
Autor:
Zeno von Braitenberg
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Im Herbst ist das Schmuckstück am Schaft des Stiefels am schönsten, denn dann hat der Besucher freie Wahl: Wandertour? Törggelen? Kulturprogramm? Und all das zwischen dramatischen Bergketten, schicken Städten, imposanten Burgen und üppigen Weingärten. Wir zeigen Ihnen die Must-Sees vom Brenner zum Kalterer See, vom Ortler bis zum Pustertal.
Südtirol ist ein Land, das aus mindestens zwei Perspektiven gesehen werden kann: Wer von Süden kommt, sieht das Tirol auf italienischem Staatsgebiet. Wer von Norden anreist, freut sich über das italienische Flair im deutschen Sprachraum. Schauen wir es uns im Detail an:
Wipptal
Nördlich, gleich hinterm Brenner, aber auch bis Franzensfeste heißt das Eisacktal noch Wipptal, obwohl der namensgebende Fluss Eisack schon am Brenner entspringt. Dort gibt es weit mehr als eine ehemalige Grenze, und Sterzing, der Hauptort des Wipptals, hat seinen italienischen Namen (Vipiteno) schon in der Römerzeit bekommen, als die Via Raetia dort vorbeiführte.
Schon Goethe beschwerte sich zu Beginn seiner Italienreise darüber, dass sein Entree ins Land missglückte. „Die Postillions“, notierte er in sein Tagebuch, „fuhren, dass einem Hören und Sehen verging, so dass es mir Leid tat, diese herrlichen Gegenden mit der entsetzlichen Schnelle und bei Nacht wie im Fluge zu durchreisen.“
Zugegeben, der Brenner bot damals nicht die Masse an Attraktionen, und Goethe ließ sich wohl gern dazu überreden, die Nacht nicht in der dortigen Poststation zu verbringen. Trotzdem, irgendwas tut sich bei jedem Reisenden, der den Brenner in Richtung Süden überquert. Ohne den österreichischen Tirolern zu nahe treten zu wollen, es gibt ein Phänomen, das viele Südtirolreisende beobachten: Kaum verlässt man den Niemandsland-Tunnel auf der Südseite, macht sich eine Stimmung von Sonne, holprigen Straßen, Pinien und Cappuccino bemerkbar, und wenn man erst mal den Milchschaum-Zuckersatz des ersten echten Cappuccino ausgeschlürft hat, ist man auch schon mittendrin.
Italienische Urlauber etwa fahren bis an die Grenze und verbringen ihre Ferienwochen in einem der nördlichsten Seitentäler Südtirols. Pfitsch, Pflersch, Ridnaun sind die Seitentäler, die in dieser Reihenfolge vom Brenner kommend in das obere Tal des Eisack, das Wipptal, münden. An sich sind diese Namen phonetisch unüberwindbare Hürden für die italienische Zunge, aber das macht vermutlich gerade den Reiz aus. „Der Pfarrer von Pflersch hot des Pfingschtbsteck z’schpat bschtellt.“ Dieser Zungenbrecher bereitet den Italienern im Lande wahre Höllenqualen. Übrigens: Im Pflerschtal ist die Hölle nicht nur sprachlich beheimatet. Am Ende der wildromantischen Landschaft, in Innerpflersch, gibt es ganz reguläre Hinweisschilder und Pfeile, die den Weg zur „Hölle“ markieren. In diesem Fall eine wilde Schlucht mit einem Wasserfall, den die Pflerscher auch als meteorologische Instanz anerkennen. Raucht die Hölle und sieht man den Sprühregen von Weitem, kann man sich auf das Wetter verlassen, raucht sie nicht, sollte man den Heimweg antreten. Die Hölle ist jedenfalls allemal einen Abstecher wert.
Davon abgesehen gibt es in dieser Gegend noch einige andere alternative Offerten. Das Bergwerkmuseum von Ridnaun zum Beispiel. Da wurde ein Stollen für Besucher und zum Gedenken an die große Zeit der Knappen in den Berg getrieben. Es ist kalt und klamm, einfach realistisch. Wer etwas über die Verarbeitung und die Geschichte der Bodenschätze lernen will, ist hier ebenfalls richtig. Als Andenken kann man glitzernde Erinnerungsstücke aus der Zeit des Bergbaus am Schneeberg kaufen, der auch eine ausgiebige Wanderung lohnt. Alles in allem ein Geister-Bergbaudorf mit viel Atmosphäre.
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mosaik (nicht überprüft) sagte vor 2 Jahre 20 Wochen:
Obwohl ich ein ambivalentes Verhältnis zu Südtirol habe - trotz unserer gemeinsamen Grenze* hat dieser Betrag so etwas wie "Verschüttete Neugier" wach gerüttelt.
Ohne Zweifel stellen die Berge und deren Landschaft das größte Potenzial dieser Region dar. Aber in diesem Artikel wird auch offensichtlich, dass Neues neben Altem entstanden ist, dass man auch ohne Bergsteigerallüren einiges in den Tälern unternehmen kann.
Und einem Anspruch wird die Südtirol-Reportage jedenfalls voll und ganz gerecht: dieser Teil der Alpen erfüllt "abenteuer & reisen" in einem!
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* Das Bundesland Salzburg grenzt im Südwesten am südlichen Ende des Krimmler Achental mit dem Krimmler Tauern und seinem Übergang bei der Birnlücke an das Südtiroler Ahrntal. Dieser Übergang wurde 1947 traurig berühmt durch die so genannte "Krimmler Judenflucht".
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