
Autor:
Frank Tophoven
InsiderTipps
Von Capucchino mit Dom-Blick bis zum Edelweiß in den Bergen, von der weinumrankten Gardasee-Terrasse bis zum Klettersteig im steilen Fels – das alles findet man im Trentino! Unser Reporter hat keine Attraktion der nördlichen Italien-Provinz ausgelassen. Lassen Sie sich von seinem Reisebericht und seinen Fotos verführen.
Wenn man aus dem Norden kommt, ist das Trentino das Tor nach Italien. Doch das Land, in dem die Zitronen blühen, wird nicht mehr mit Kutschen, sondern mit Kraftfahrzeugen bereist. Es leidet sichtbar darunter.
Wie ein reißender Gebirgsfluss brandet der Verkehr über die Autobahn. Er flutet das Tal, dass man Angst bekommt um die Weinfelder, um die Schlösser und Dörfer an den Hängen, dass man fürchtet, der Verkehr könnte das gesamte Etschtal mit sich reißen und ins Mittelmeer spülen. So mag man gar nicht glauben, dass es neben der Autobahn etwas zu entdecken gibt und biegt trotzdem ab. Trento steht auf dem Schild und im Reiseführer dazu: „eine der schönsten Renaissance-städte Norditaliens!“
Viele, die das Trentino bereisen, landen erstmal im 198 Meter hoch gelegenen Trient. Da sitzen sie dann vor dem „Caffè Italia“ auf dem Domplatz. Drinnen im Café faucht die Esp-ressomaschine, draußen scheint die Sonne, Arkaden spenden Schatten und Liebespaare flanieren. Die Innenstadt von Trient ist autofrei. Der Domplatz ist ganz schön groß für ein beschauliches 100.000 Einwohnerstädtchen. In der Mitte spritzt der Neptunbrunnen seine Fontänen in die Höhe und am Ende prangt der Dom. 1212 haben sie begonnen und dann zweihundert Jahre gebaut, bis die wuchtige Kathedrale vollendet war. Eine feste Burg sollte er sein, der Dom und ein Zeichen setzen im Glaubenskrieg gegen die Protestanten.
Auf der anderen Seite des Domplatzes vor dem „Caffè Italia“ tobt derweil ein neuer Glaubenskrieg unter deutschen Urlaubern. Darf man Milchkaffee bestellen, obwohl es schon Nachmittag ist? Warum sollte man verzichten? Nur weil Italiener niemals nachmittags Capuccino trinken? Die Uhr zeigt beinah vier am Nachmittag, die grelle Sonne verliert schon an Kraft und ich bestelle einen Caffelatte. „Typisch Deutsch!“, tuschelt es vom Nebentisch. Ich schaue an mir herab. Alles in Ordnung. Keine Sandalen, keine weiße Socken.
Fangen wir langsam an. Ein Tagesausflug in das Valle di Cembra. Vielleicht wäre das Tal ja sehr schön, wenn einfach mal jemand Staub wischen würde. Das Tal lebt vom roten Gold und vom Weinbau. Das rote Gold entpuppt sich als Prophyr – ein rosafarbener Stein, der Fassaden ziert und edle Trottoirs. Wenn man ihn in Steinbrüchen gewinnt, schlägt man tiefe Wunden in die Natur und wirbelt mächtig Staub auf.
Im Dorf Cembra weist ein Schild den Ausweg: Lago Santo. Eine schmale Straße klettert wirklich steil den Berg hinauf. Sie verschwindet in einem Lärchenwald und windet sich zwischen den Bäumen auf 1198 Meter Höhe. Als sei ein Stück vom Himmel in den Wald gefallen, spiegeln sich Blau und Wolken in einem glatten See. Das Wasser ist glasklar. Wiesen säumen einen Uferstreifen und daneben träumt einsam ein Rifugio.
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