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Seit Generationen brennt die Familie Poli Grappa. Ihre feinen Tropfen werden über die Grenzen Italiens hinaus geschätzt und in Gourmet-Restaurants als Digestif angeboten. Ein Reisebericht für Freunde guter Tropfen.
Beim „Italiener“ nach dem Essen noch einen Grappa? Da sagt der Freund südländischer Genüsse nicht Nein. Schließlich ist der italienische Tresterbrand ein beliebter Nährstoff für deutsche Italophilie.
Doch die Qualität des Angebots kann schwanken wie die Gondeln Venedigs bei Sturm. Der Kenner vertraut da lieber auf bewährte Namen, die Qualität verbürgen – so einer ist Jacopo Poli. Grappa-Brenner seines Schlags adeln den italienischen Tresterbrand zum ausgereiften Genuss.
Die Destillerie Poli liegt in Schiavon, südlich von Bassano del Grappa. Die venezianischen Voralpen sind zum Greifen nah, markant zeichnet sich ihre Silhouette am Horizont ab. Mit seinem Firmenmotto empfängt der Mittvierziger seine Besucher vor dem Firmengebäude.
„Es ist ganz einfach, guten Grappa zu machen. Man braucht nur frischen Trester und 100 Jahre Erfahrung.“ Tja, der Erfolgreiche kann sich Understatement eben leisten.
Als wäre er bestellt, hält ein Lastwagen, beladen mit einem Haufen auberginefarbener Masse: Vinaccia – Trester, in diesem Fall der von Rotwein. Trester ist der feste Bestandteil der Traube, also Beerenschalen und Kerne, die vom Most getrennt werden. „Wir verwenden frischen Trester – er darf auch keine Stiele enthalten – und wir brennen nur während der Weinlese, also September bis November“, erläutert Jacopo.
„Der Trester stammt von hochwertigen Trauben“, so der Brennmeister weiter. „Wir beziehen ihn aus den D.O.C-Gebieten Venetiens, von Breganze bis Bassano del Grappa und von den Asolo-Hügeln bis zum Piave-Fluss.“ Das Wort Grappa, erfahren wir, leitet sich ab vom lateinischen Wort Grappolus, das Weintraube bedeutet.
Ein intensiver, süßer Geruch steigt in die Nase, als wir die Destillerie betreten und vorübergehen an einem alten Gefährt mit Speichenrädern und vier Kupferkesseln. Ein Feuerwehrwagen? Nein, zur Brandbekämpfung war das nicht gerade gedacht. Eher zum Brennen …
„Mit diesem Wagen hat alles begonnen“, so Jacopo, „das ist der Destillierwagen, den mein Urgroßvater Giobatta Poli 1898 gebaut hat und mit dem er von Weingut zu Weingut gezogen ist, um direkt vor Ort Grappa zu brennen.“ Allerdings musste der rastlose Brenner schon bald sesshaft werden – damit die Guardia Finanza besser ein Auge auf ihn und sein hochprozentiges Treiben werfen konnte …
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