
Autor:
Robert Haidinger
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Die einzigartige, weltberühmte Tempelstadt Angkor Wat darf bei eine Mekong-Fahrt natürlich nicht fehlen. Den knalligen Kontrast dazu liefert Phnom Penh, die laute Hauptstadt Kambodschas. Auf dem Kolonialstil-Cruiser "RV Mekong Pandaw" schließlich fährt unser Autor weiter Richtung Vietnam. Lesen Sie seinen Reisebericht.
Flug nach Siem Reap, der kambodschanischen Partystadt am Rande der weltberühmten Ruinen von Angkor, Südostasiens eindrucksvollstem Tempelkomplex. Zeit für den Abstecher zur versunkenen Welt der Khmer muss auch beim Mekong-Marathon sein.
Es ist Vollmond und so leuchtet die weiße Scheibe über breiten Wassergräben und gigantischen Mauern, legt den meterhohen Wächtern an den Toren zur alten Stadt Angkor Thom ein weißes Schimmern ins Genick. Zwölf Kilometer lang sind die Wälle der quadratisch angelegten Stadt, der spektakuläre Staatstempel Bayon im Zentrum gilt als manieristische Krönung der Khmer-Architektur. Doch auch Nebensächliches trägt zum Zauber der einzigartigen, lange Zeit „vergessenen“ Anlagen bei.
Der zusammengebrochene Dammweg am Westtor etwa, dessen wirr verstreute Steine wie eine Karambolage der Geschichte wirken. Oder der Würgegriff der Luftwurzeln im spektakulären Ta Prohm, Blaupause aller Indiana-Jones-Kulissen, und Lieblingsturngerät von Lara Croft alias Angelina Jolie im Streifen „Tomb Raider“.
Nachtaktiv in Angkor, das hat auch ohne Kampf-Akrobatik etwas Unheimliches an sich. Nun sind die Besuchermassen – die Gästeziffern von Angkor gleichen jenen Balis – verschwunden. Der obligate Sundowner vor den Lateritstein-Säulen und den fantastischen Flachreliefs, die vom Bau der Stadt im Dschungel, von den Seeschlachten zwischen Khmer und verfeindeten Cham und von der Plünderung Angkors im Jahre 1177 erzählen, ist abgehakt. Lediglich ein paar Mönche hängen noch vor freundlich hoch gezogenen Mundwinkeln riesiger Buddhaköpfe herum, wirken ein wenig wie Orangen-Drops.
Ganz zur Ruhe kommen die Heiligtümer der Khmer auch jetzt nicht. Dort und da flackern Öllämpchen in der tropisch dunklen Nacht und kleine Teeläden versorgen die Souvenirhändler. Im umliegenden Wald lärmen dieselben Dämonen, die untertags, etwa am Südtor nach Angkor Thom, noch versteinert waren. Es könnten aber auch Zikaden sein....
Next Stopp: Phnom Päng! Die Stadt ist ein Knaller. Laut und bunt. Mit pinkfarbenen Bussen und zitronengelber Art-Déco-Architektur und der Fluss, an dem sie liegt, ist mitunter durchgeknallt. Immerhin wechselt der Tomlé Sap, der bei Kambodschas Hauptstadt in den Mekong mündet, als einziger Strom der Welt regelmäßig die Fließrichtung. Schuld daran ist Flussmamma Mekong und das geringe Gefälle der dampfenden Ebenen, die sich von hier bis zum Südchinesischen Meer ziehen. Steigt der Wasserstand des Mekong während der Regenzeit, drängt er den Tonlé Sap in den gleichnamigen See zurück. Sinkt das Niveau, presst das Wasser des Sees den Fluss Richtung Mekong.
Ein Zufluss wie ein Jojo, das ist nicht das einzige Hin und Her, dem das alte Handelszentrum im Laufe der Jahrhunderte ausgesetzt war. „Perle Asiens“ wurde der Ort einst genannt, dann fielen die Roten Khmer ein, samt ihrem tödlichen Hass aufs privilgierte, urbane Raffinement. Der Terror, der Phnom Penh zum Aschenputtel Asiens machte, ist heute Geschichte. Nun wird der Glanz der alten Tage wieder auf Vordermann und Buddha-Glitzer.
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