
Autor:
Martina Miethig
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Keine Frage, das Land boomt. Viele Traumstrände von vor fünf Jahren sind „zubetoniert“. Unser Kambodscha-Reisebericht verrät Ihnen aber, wo Sie sich noch ungetrübt dem Inselhüpfen und kleinen Robinsonaden mit Rucksack und Hängematte widmen können.
Der Erleuchtete wacht im Bokor-Nationalpark über eine Weggabelung im Dschungelgestrüpp. Zwischen Buddhas Zehen steckt ein 1.000-Riel-Schein. Nicht, dass dies – umgerechnet ein Sechstel Euro – viel Geld wäre, auch nicht mehr im einstigen Armenhaus Kambodscha.
Nur einen Tigersprung entfernt an der 440 Kilometer langen Küste dreht sich alles um Geld, um viel Geld. Die ersten Boutiquehotels und Kasinos haben (wieder-) eröffnet an der früheren „Riviera Indochinas“. Während sich Sihanoukville zum trubelig-internationalen Badeort entwickelt, scheinen die Städtchen Kampot und Kep noch ein Nickerchen zu machen. Für Robinsons lohnt ein Landgang auf den von Palmen übersäten Inseln. Leere Strände und Bambusbuden-Dasein – noch. . .
„Die Backpacker-Zeiten sind vorbei, es kommen immer mehr Familien. „ höre ich nun zum dritten Mal in einer Woche in Sihanoukville. Doch ganz so familiär à la „Brangelina“ mitsamt Nanny, Oma und einer Horde Adoptivkinder ist es noch nicht, auch wenn sich Kambodscha zu einem sehr trendigen Reiseziel mausert.
Zweifellos, die Peninsula Sihanoukville bietet für jeden etwas: „Schnitzelwirtin“ und Cocktails, Tattoos, Go-Go-Bars und Lagerfeuer-Strandpartys für die westliche Traveller-Schar. Kasino und Karaoke für die asiatischen Gäste. Eine Hochburg der Aussteiger und Abenteurer aus aller Herren Länder, nur am Wochenende ist „Snooky“ noch in der Hand von Khmer-Badegästen. Es herrscht relaxte Goldgräberstimmung, ob am Serendipity Beach oder am Occheuteal Beach mit Seafood-BBQ, Volleyball-Match, Maniküre und Jetskis.
Der beliebteste Tagesausflug von Sihanoukville führt in 45 Minuten nach Bamboo Island. Tagsüber schwanken dort mindestens zehn Boote am Ufer. Mein Bootsmann nimmt mehrere kraftzehrende Anläufe zum Ankern, wir müssen in der zweiten Reihe „parken“. Was von weitem aussieht wie ein verlockendes Fleckchen Paradies und mit „The Beach“-Beach beworben wird, entpuppt sich als Weggucker: lieblose Picknick-Verkostung der Tagesausflügler vor kaputten Toilettenhäuschen an einem 200-Meter-Strändchen. Scherben, Müll, Drogen-Warnschilder.
Dabei liegt das echte tropische Idyll in Sichtweite! Während sich auf Bamboo Island alles um „superbillige!“ Tagesausflüge dreht und in überteuerten Reihenhütten drängt, ist das nur zehn Bootsminuten entfernte Koh Ta Kiev menschenleer.
Am Traumstrand unter Palmen und Kasuarinen ist weit und breit kein Mensch zu sehen.
Kein Empfangskomitee in Gestalt eines „only one dollar!“-Kassierers fürs Inselbetreten (Bamboo Island), kein spacig-grüner Welcome-Drink mit Erfrischungstuch (wie wahrscheinlich in - sagen wir – spätestens vier Jahren). Nur das Kajak lässt gestrandete Zweibeiner vermuten. Hinter einer kleinen Düne schlurft schließlich schlaf(?!)trunken der französische „Manager“ des „Koh Ta Kiev Resort“ durchs rustikale Terrassenlokal.
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